
In den Jahren 1939 - 1942 errichtete die Wehrmacht für viele Millionen RM nahe Falkenhagen eine riesige 4 etagige unterirdische N-Stoff (Chlortrifluorid) und Sarin Kampfstofffabrik mit autarker Infrastruktur. Der zügige Vormarsch der Roten Armee verhinderte zum Glück die komplette Fertigstellung dieser Produktionsstätte.
Nach der Übernahme der Liegenschaft durch die Rote Armee im April 1945, errichtete diese dort in einem Gebäude ihren ersten Gefechtsstand (GS) der Rückwärtigen Führungsstelle der Front und eine Nachrichtenzentrale (der HauptGS der Front befand sich bis 1961 bei Rüdersdorf). Die riesige unterirdische Kampfstofffabrik, die später zum Bunker umgebaut wurde, blieb jedoch anfangs unberührt, aber gesperrt. Zunächst war der zentrale Bereich der Liegenschaft für jeden frei begehbar. Viele Leute aus der Umgebung nutzten dort Angebote, wie z.B.: Kinobesuche oder Freundschaftstreffen.
Das änderte sich jedoch schlagartig ab 1959 mit dem Ausbau der Führungsstelle (Füst) in der unterirdischen ehem. Kampfstofffabrik. Nach außenhin tarnte man nun das Gelände als Kfz-Instandsetzungswerk "TOPEDO", betreut durch die 413. Verwaltung zum Betrieb von Spezialobjekten (Wartungseinheit 413). 1965 wurde die Füst in Dienst gestellt und ab diesem Zeitpunkt ständig erweitert und ausgebaut. Diese umfangreichen Umbauten bestimmen heute das einstige Bild dieser ehem. Kampfstofffabrik. Nun aber unterlag das gesamte Gelände der absoluten Geheimhaltung. Die neuen Nutzer dieses vorgeschobenen GS des Obersten Kommandos waren im Friedensfall das VOK (Vereintes Oberkommando, direkt unterstellt dem Generalstab der Streitkräfte und hier in FAHA ohne eigene Struktur) und im Kriegsfall das Oberste Kommando selbst, welches sich im Ernstfall auf den westlichen und südwestlichen Kriegsschauplatz aufteilte. Der Bunkerkern wurde nun fast vollständig hermetisiert.
Was perfekte Tarnung bedeutet, zeigten später die Aufzeichnungen der NATO Aufklärung. Das Gelände wurde als Lager geführt, ein unwichtiges Angriffziel. Diese Tarnung wurde perfektioniert in dem das Gelände z.B. keinen übermäßige Außensicherung (Hochspannungssicherungsanlage=HSA), sondern lediglich eine Objektsicherungsanlage (OSA) besaß. In regelmäßigen Abständen kamen deutsche Schulklasse aus der Umgebung zu Freundschaftsbesuchen und die DDR Führung wurde über den Zweck und den Ort der Anlage völlig im Unklaren gehalten. Selbst die GSSD wurde über den Sinn und Zweck nicht unterrichtet. Als Feldpostnummer nutze man die der Kommandantur Seelow. Was fast 30 Jahre keiner ahnte, im hinteren Teil des Geländes tief unter der Erde, lag nun das wichtigste Führungsbauwerk des Warschauer Vertrages. Der vorgeschobene GS des Obersten Kommandos der sowjetischen Streitkräfte.
Erst nach dem Abzug der Rückbaukommandos und der ehemaligen Nutzer wurde das gesamte Gelände 1992 der Sperrzone enthoben und der öffentlichen Nutzung übergeben.
Die gesamte Geschichte dieser Anlage hier in allen Einzelheiten aufzuführen würde etliche Seiten füllen. Als kurzer Abriss der Geschichte sollte dies hier reichen. Wer sich dennoch auf diese "Reise" begeben will, dem empfehle ich 2 sehr gute Bücher (Führungskomplex Falkenhagen. Fotografische Perspektiven und militärhistorische Aspekte und Geheimobjekt Seewerk) oder man nutzt direkt die Gelegenheit vor Ort. Ich kann nur sagen, es lohnt sich, denn hier haben 2 völlig gegensätzliche Nutzer Deutsche Geschichte geschrieben. Heute ist diese riesige Anlage wieder zu besichtigen. Nähere Informationen gibt die Seite:
(Quelle Text: Peter H. Rentsch, Ralf Löhder)