Auf dem weitläufigen Gelände der Garnison (часть объекта N° 45) befand sich auf dem Territorium des Militärstädtchen Nr. 17 (Военный объект N° 17 - Фогельзанг - ) die Stütznachrichtenzentrale 721 (ОУС=Oпoрный узел связи ), Rufname: разбитной, die organisatorisch und anbindungstechnisch mit der Dislozierung der 25. Panzerdivision nicht in Verbindung stand. Die Panzerdivision hatte ihre eigenen Nachrichtenverbindungen (459 sst. NBtl.).

Bauzeit: 1971-1975
Bauträger: 56. Spezialbaubrigade der Front/Forst Zinna


„Die Erfahrungen im 2. WK waren, dass Nachrichtenbrigaden u. NR des obersten Kommandos u. der Fronten, bzw. die NR der handelnden Armeen, in der Masse die erforderlichen Fernmeldehaupttrassen in Richtung der Hauptanstrengungen (HA), in der jeweiligen Gefechtsarten, also Angriff (nach vorn) oder Verteidigung, (in die Breite der entfalteten Truppen) bauen u. dazu überwiegend mobil handelnde u. zu entfaltende Nachrichtentechnik verwendeten. Auch die Nachrichtenknoten und Funkzentralen dieser Feldnachrichtenzentralen waren in der überwiegenden Anzahl mobil.

Das hing damit zusammen, dass die in den militärischen Richtungen der Hauptanstrengungen nutzbaren Kanalkapazitäten des eigenen Grundnetzes (der Staatspost), wenn man sein eigenes Territorium nach und nach befreit, u. in den Gebieten fremder Territorien mit Gefechtshandlungen, auch nicht die Kapazitäten der Staatspost im eroberten Gebiet ausreichten, weil diese Netzstrukturen (in Form von Fernkabelwegen über Erdkabel) meist einem Regionalprinzip territorialer Schwerpunktlegung folgten. So waren in Ostpreußen eben nur eine geringe Anzahl von Städten und Gemeinden gut erschlossen, die große Masse kleiner Gemeinden aber war meist ungenügend über wetterfühlige, anfällige Freileitungstrassen angebunden. Von modernen Netzen im Sinne der Streitkräftenutzung war meist nicht die Rede und die Mehrfachausnutzung der Leitungswege mittels Trägerfrequenzgeräten steckte gerade in den Anfängen.

Nach dem 2. Weltkrieg änderten sich die Anforderungen auf Grund der Standortverteilung der Truppen in den besetzten Gebieten erheblich, lag das Militär der Besatzungsstreitkräfte doch meist in den Kasernen der früheren Landesarmeen, in den besetzten Gebieten und diese entsprachen in der Masse den Kriegsplanungen 1937- 1941, für Handlungen aus der Anfangszeit des 2. WK und nicht den Entfaltungsnotwendigkeiten im beginnenden kalten Krieg. Die Sicherstellung des immensen Informationsaufkommens für die sowjetischen Streitkräfte in Osteuropa, oder im Fernen Osten (für viele Fronten u. eine hohe Anzahl operativer Vereinigungen (Armeen), erforderte in der Masse der geschalteten Verbindungen einen enormen Aufwand an zusätzlichen Funk,- u. kabelbasierten Verbindungen. Das mag im 2. WK über die riesigen Entfernungen einigermaßen gut funktioniert haben, aber in einem Raketen-Kernwaffenkrieg spielten frühere Herangehensweisen eine andere Rolle, weil die eingesetzten Waffensysteme derartig unterschiedlich waren, dass nun die Elemente entfalteter Nachrichtenzentralen mehr oder minder auch im Feldeinsatz (mit Basis-Kfz oder als handelnde Gruppierung von Fahrzeugen), geschützt werden mussten. Zu beachten ist aber auch, dass die nach dem Mai 1945 beginnende Reparation in den besetzten Gebieten, vor allem in Ostdeutschland, also dem Besatzungsteil Deutschlands in der die Rote Armee stationiert war, ein gewaltiges Kabellinienrückbauprogramm anlief, um als Wiedergutmachung Fernkabel, Freileitungen, Masten, Verstärkerämter und Ortsvermittlungen abzubauen und in die UdSSR zu verbringen. Das schuf in vielen ländlichen Gebieten eine ernste Versorgungslage mit funktionierenden Anschlüssen, wo in manchen kleinen Gemeinden gar kein oder nur noch ein Telefonapparat verfügbar war. Ganze Freileitungstrassen wurden in Richtung Osten (von Berlin aus gesehen) beschlagnahmt und so große Gebiete des Oderbruchs oder entlang von Oder und Neisse, zum telefontechnischen Niemandsland.

Zurück zu den Bedrohungen beim Einsatz von nuklearen Mitteln. Schnell wurde klar, dass die ver-schiedenen Detonationsarten nuklearer Mittel, deren Hauptwirkfaktoren (Licht, Wärmeimpuls, Sofortkernstrahlung, Druckwellen u. damit ausgelöste seismische Schockwellen) nach gänzlich anderen Schutzvorkehrungen verlangten als das im 2. Weltkrieg durch Bomber, Schlachtflugzeuge oder Artillerie vielleicht notwendig war.  
Höhendetonationen haben als Hauptwirkfaktor in der Regel die ionisierende Strahlung, und den elektromagnetischen Impuls, wobei die eine Wirkkomponente bestehende und zu unterhaltende Kurzwellenverbindungen, für 24-36 Stunden mehr oder minder stark behinderten und im anderen betrachteten Fall zu erheblichen Überspannungsspitzen kurzer, aber gewaltiger Wirkung in Überlandleitungen der Stromversorgungsnetze und Telefonlinien führten.  
Was also tun, wenn die Masse der Maschenverbindungen oder gar die Leitungswege in Richtungen der HA, aus überirischen Leitungsbündeln auf Holzmasten bestanden und nur wenige, und in der Masse vollständig ohne Reserven beschaltene Erdfernkabel existierten?

Jede militärische Formationsebene hatte Nachrichtenverbindungen der Führung und des Zusammenwirkens zu unterhalten, a) zu den eigenen Unterstellten, b) zu den handelnden Nachbarn und Gleichrangigen und c) zur vorgesetzten Führungsebene.
Auf Grund der Erfahrungen der großen Heerführer im 2. Weltkrieg, wurde das System der riesigen, handelnden Feldnachrichtenzentralen, auch viele Jahre nach dem 2. Weltkrieg weiter aufrecht-erhalten. Das war nicht nur in der Zahl der notwendigen Kraftfahrzeuge ein enormer Aufwand, sondern kostete wegen der notwendigen Verlegungen auch viel Zeit, wobei bestehende Verbindungen erst gelöst oder übergeben wurden, wenn die handelnde, zweite Feldnachrichtenzentrale den befohlenen Raum bezogen u. die Verbindungen der Führung wieder hergestellt hatte. Allein die Unterhaltung der Freileitungstrassen aus Ostdeutschland in die UdSSR und die anderen Besatzungsgebiete, erforderte nach dem Krieg 6 Nachrichtenbrigaden für den Betrieb und die Unterhaltung der Freileitungsstrecken an Straßen, Wegen, Bahnlinien. Das System wurde mehr oder minder so realisiert, bis ein Fachmann die handlungsebene betrat, der von den strategischen Raketentruppen der UdSSR kommend, einschätzte, dass das System so, in der Masse nicht überlebensfähig ist wenn es zu einem Raketen-Kernwaffenkrieg kommen sollte.

Vorher waren die neuen Erfordernisse an einen Raketen-Kernwaffenkrieg, den verantwortlichen Heerführern u. den Chefs der Nachrichtentruppen im Generalstab der Streitkräfte der UdSSR, zum Teil schwer vermittelbar. Sie hatten große Erfolge als Nachrichtenführer im 2. WK, in der Masse war man den neuen Gegebenheiten auf der gesamten Breite neuer, notwendiger Maßnahmen aber nicht gewachsen. Ausdruck dessen waren immer neuere und größere mobile Kfz Kolonnen mit mobiler Technik, die im eigentlichen Sinn zwischen den Hauptquartieren der Führung u. den handelnden Streitkräften, hätten geschützt untergebracht werden müssen.
Der erste Nachrichtenführer, der das auf Grund seiner Tätigkeit bei den strategischen Nachrichtentruppen, in seiner gesamten Breite erkannte, war Marschall der Nachrichtentruppen, A.I. Below, dessen weitsichtige und in Gesamtzusammenhängen denkende Arbeitsweise bestimmte lange Zeit das Geschehen bei den Nachrichtentruppen aller Führungsebenen. " (Zitat: P. Rentsch)


Ab ca. 1978 waren die Verantwortungsbereiche der Stütznachrichtenzentralen (StNZ) in 3 geographisch getrennte Zonen unterteilt. Zuvor hatte man arbeitsorganisatorisch der 6. Nachrichtenbrigade (NBr.) in der Reserve des Generalstabs Frankfurt/Oder, die bis dahin für die Sicherstellung aller Führungsverbindungen bis zu den Fronten und Armeen zuständig war, einen Teil seiner stationären Kabel- und Nachrichtenkapazitäten entnommen, um dann einen territorialen, stationären Verband, durch Neuaufwuchs aufzustellen, der die Kabelnetze, Verstärkerämter und Nachrichtenzentralen (NZ) des Kabelnetzes betrieb, unterhielt und personell rund um die Uhr sicherstellte. Dies erfolgte durch Aufstellung der 132. NBr. Treuenbrietzen, die fortan für das im Ausbau befindliche Stütznetz der Gruppe zuständig war und somit den wichtigsten Truppenkörper für den Betrieb stationärer (NZ) des Stütznetzes darstellte.

Es gab das Nord- (Северный), das Zentral- (Центральный) - und das Südbataillon. (Южный батальон). Die Friedensstandorte waren Treuenbrietzen, Vogelsang, Lynow und Gera. Die StNZ 721 Vogelsang war nach erfolgter Übergabe, fortan in das Nordbataillon eingebunden (7..).

Ab Mitte der 1970er Jahre begann die Nachrichtenverwaltung der GSSD verstärkt mit der Zusammenführung von Teilnetzen der kabelbasierten Abschnitte und der bis dato noch über Richtfunknachrichtenknoten geführten Kanälen zu einem leistungsfähigen Stütznetz der Gruppe auszubauen. Es galt die hohen Anforderungen/Normativen der ununterbrochenen, geschützten und sicherer Führung der Truppen, in den Richtungen möglicher Hauptanstrengungen, gerecht zu werden.
Dazu baute man auf bestehende Netzabschnitte und nach 1945 zu den einzelnen Standorten der Truppen entfalteten Leitungswege auf, meist auch unter Nutzung von angemieteten Leitungswegen der Deutschen Post (DP).

Ziel war ein leistungsfähiges, mit stationärer Technik an festen Punkten, aber auch feldtechnisch nutzbares Stütznetz, auf welches sich die zu entfaltenden NZ der befohlenen Nutzerebenen abstützen konnten. Ergänzt wurde das Stütznetz durch doublierende Verbindungen über Funk, Richtfunk, Troposphärenfunk und kosmische Verbindungen. Dabei sollten geschützten Nachrichtenknoten/StNZ auf den von Richtung Ost nach West führenden Haupttrassen den unterbrechungsfreien Signalfluss im streitkräfteeigenen Stütznetz sicherstellen und als Knotenpunkte und/oder Haupt- und Endämter u.a. auch zum Übergang in das Grundnetz der DP wirken. In der Masse wurden an wichtigen Knotenpunkten geschützte Nachrichtenzentralen betrieben, die baulich in verschieden kategorisierten Schutzbauwerken oder in Elementeanlagen untergebracht waren.
Die ankommenden Trägerfrequenzsignale (TF, kein Telefon oder Richtfunk) wurden in den StNZ übertragungstechnisch verstärkt, kontrolliert und wieder in die angeschlossenen Kabelnetze oder Kabelrichtungen gegeben. Die Möglichkeit, weitere Nachrichtenknoten mittels der Technik der Nachrichtenregimenter der Armeen und der Nachrichtenbataillone der Divisionen, sowie der Richtfunk- und Kabelbautechnik der Richtfunkkabelbauregimenter, auch mobil zu entfalten galt als Ergänzung im Fall der Notwendigkeit der Lage und erfolgte zum Teil in errichtete und erschlossene Stellungen.

Die in Kesselform angelegten unbemannten, autonom arbeitenden Verstärkerpunkte (kurz: NUP/НУП - необслуживаемый усилйтельный пункт) unterstützen die Signalstabilität durch automatisierte Systeme der Pegelsteuerung, Rauschunterdrückung und automatische Verstärkungsregelung. Mitarbeiter der DP hatten zu diesen Verstärkerpunkten nur Zutritt, wenn für selbige, zuvor ein vertraglicher Trassenschutz mit der DP der DDR vereinbart worden war.

Die Aufgaben der StNZ 721 auf dem Gelände der Garnison Vogelsang waren vielfältig. Dies unterschied sie in der Beachtung und Notwendigkeit von anderen Nachrichtenknoten erheblich. Sie stellte als End- und TF-Amt einen leistungsfähigen Knoten, zwischen der Einrichtung Ahlbeck (Seekabelverbindung nach Kaliningrad) und dem Signalfluss in Richtung Westen, bzw. in andere Netzknoten im Grundnetz der DP dar. So erfolgte eine Anbindung an die ÜST-2 Biesenthal und weiter über die Fernverbindungen nach Wünsdorf, Falkenhagen und andere Nachrichtenobjekte. Hinzu kam die Verteilung/Weitergabe von Kanälen in andere Objekte im Stütznetz der GSSD, zb StNZ bei Lanke.

Anhand eines Beispiels sollen die immensen, jedoch notwendigen Kosten für die Nachrichtenverbindungen dargestellt werden. Die Nachrichtenverbindung zwischen dem Seekabelamt Ahlbeck und der StNZ Vogelsang (zweigleisig ausgebaut), kostete den DDR-Staatshaushalt 14,3 Mio Mark.

Wie bereits Anfangs erwähnt war die StNZ 721 in das Nordbataillon eingebunden, auch hier lag in der Anfangszeit der Nutzung die Verantwortung bei der 6. sst. NBr. Frankfurt/Oder. Infolge des starken Ausbau des Stütznetzes der Gruppe erwies sich der Standort Frankfurt/Oder für die Betreuung von Objekten bis nach Thüringen oder Sachsen/Anhalt jedoch als ungünstig, aber wegen schon existierender, nicht veränderbarer Nachrichtenknoten im Objekt der Brigade konnte die Brigade in kein neues Objekt verlegt werden. Daher fiel der Entschluss den Betrieb des Stütznetzes durch Entnahme von Truppenteilen aus dem Bestand der 6. NBr. technisch und personell zu einen eigenständige Verband zu konzentrieren und aufzubauen. Aus Teilen daraus wurde u.a. das 897. sst. NB der 132. NBr. gebildet (anderen Standorte der 132. NBr. [Gera und Treuenbrietzen] hatten ebenfalls Bataillonsstärke).

Von 1982-1990 war das 897. sst. NB für den Knoten Vogelsang und weitere Objekte des Stütznetzes im Nordteil zuständig. Mit dem sich vollziehenden Abzug der sowjetischen Streitkräfte aus Deutschland nach 1990 wurde das 897 NB aufgelöst und die Zuständigkeit für den Knoten Vogelsang den noch arbeitsfähigen Strukturen des 1782. NB Lynow (auch Bestandteil der 132. NBr.) zugeordnet. Dies war eine dem Abzug geschuldete Übergangslösung um den restlichen und notwendigen Betrieb (Aufrechterhaltung und Abstützung der Nachrichtenverbindungen zu den noch verbliebenen Einheiten, Truppenteilen und Befehlshabern der Armeen) noch zu ermöglichen, aber auch um die Strukturkosten für den personellen Betrieb im Auge zu behalten. Ein, in der Endphase von Vogelsang aus handelnde, kleine Gruppe war auch kurzzeitig auch für das Objekt Ahlbeck zuständig, bis der Betrieb dort eingestellt und der technisch/materielle Rückbau vollzogen war.

Als letzte Einheit verlies die Mannschaft der StNZ 721 den Standort Vogelsang, das Über¬gabeprotokoll trägt das Datum vom 02. März 1994. Das Bauwerk (Bautyp 3) hat eine Grundfläche von ca. 1.050 m², verteilt auf einer Ebene. Die Schutzklasse (immer nur maßgeblich für den Zeitraum der Projektierung) kann mit Bestimmtheit nicht benannt werden, dürfte aber eher niedrig gewesen sein. [1], [2]

(Quellen: [1]: P. Rentsch), [2]: BBG, BVA)