Heimatgalerie - SWL Lychen в/ч пп 73259 - Objektschutz

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SWL Lychen в/ч пп 73259 - Objektschutz

Diese Reste der abgebildeten Konstruktionen (hier aus Lychen-2 und im Aufbau durch Rückbau unvollständig) waren Bestandteil des kapazitiven Geländeüberwachungssystems (Perimeter System). Im Gegensatz zu den herkömmlich bekannten Objektsicherungsanlagen (in der DDR auch bekannt als „OSA“), bestand bei den Perimeter Systemen der Vorteil in der Effizienz zur Raumüberwachung. Während „OSA“ den Unbefugten Eintritt erst nach Kontakt mit einer Objektbegrenzung melden (Anlagen melden das Eindringen durch Widerstand, Zerriss oder Kurzschluss), detektieren kapazitive Systeme bereits bei Annäherung aktiviertes Feld wird bei Zutritt deformiert).

In der DDR waren diese Systeme („OSA 88“) bereits in der Erprobung und in Planung, jedoch durch die Ereignisse 1989/90 nicht mehr zum Einsatz. Alle sensitiven Basen der NATO wurden in den Außenbereichen im gleichen Zeitraum mit kapazitiven Annäherungssysteme überwacht. Der großen und damit entscheidende Unterschied zwischen den Systemen Ost und West war, dass die Steuerkästen der Systemen West am Konstruktionsaufbau befestigt waren, hingegen die Steuerkästen der Systeme Ost im Erdreich nahe der Konstruktion vergraben waren (abweichende Sonderlösungen ausgeschlossen). Welcher Aufbau nun störanfälliger bzw. leichter zu sabotieren war überlasse ich der Fantasie der Leser.  
Diese kapazitiven Systeme erhöhten nicht nur aktive Sicherheit im Umfeld dieser Basen, sie verringerten auch Störmeldungen/Fehlmeldungen und veränderten auch den Wachdienst.

Um eventuelle Missverständnisse aus der Vergangenheit zu bekannten Schusswechseln an sensitiven Objekten aufzulösen und dessen Ursachen zu verstehen. Nachfolgend die Definition „Wachdienst“ (vereinfachte Darstellung):
Wachdienst gleich Gefechtsdienst gleich Schusswaffengebrauch. Der zum Wachdienst eingesetzte Soldat war während dieser Zeit aus dem normalen Dienst gelöst und damit den Weisungen des Vorgesetzten nicht gebunden, er unterstand dem Wachhabenden. Wachdienst ist immer Gefechtsdienst und folgt besonderen Bestimmungen, Weisungen die im normalen Dienst nicht gelten. Hauptmerkmal war die Bewaffnung und, wenn bestimmte Vorschriften dies rechtfertigen und die Voraussetzung erfüllen, auch der Gebrauch der Schusswaffe. Das ist in allen Ländern der Welt der einheitliche Konsens.

Die Wachdienstvorschrift regelt auch den Zutritt zum Postenbereich. Sagt aus, wer diesen betreten darf: der Wachhabende oder der Aufführende. Alle weiteren Personen die nicht in Begleitung dieser genannten im Postenbereich erscheinen sind unberechtigt. Dabei spielt der Rang und/oder der Name keine Rolle. Dieses Verhalten gemäß den Vorschriften zu üben war Funktion der „Wachgärten“. Grundsätzliches Handlungsprinzip war:

Unbefugte Person im Wachpostenbereich ansprechen, bleibt dies ohne Reaktion, erfolgt ein Warnschuss, setzt die Unbefugte Person ihre Handlung fort, erfolgt der gezielte Schuss. Wird der Posten gezielt angegriffen konnte er sofort handeln.

Hinweis: Informationsstand: 02.12.2020

Eine Sichtprüfung mit Beurteilung der noch vorhandenen Elemente im Sicherungsstreifen an der ehemaligen Frontbasis bei Stolzenhain (4000) ergab keine erhofften Ergebnisse bezüglich der Verwendung von kapazitiven Geländeüberwachungssystemen ähnlich wie im Objekt bei Lychen. Als Resümee bleibt die Erkenntnis oder die Vermutung, dass hier bei Stolzenhain eventuell keines dieser Systeme Anwendung fand. Begründet wird dieses vorläufige Urteil dahingehend, dass der Sicherungsstreifen und der Verteidigungsbereich im Gegensatz zum Objekt bei Lychen umfangreicher ausgebaut ist und über Vielzahl von Sicherungselementen verfügt, die man am Objekt Lychen-2 vergeblich sucht. Angefangen von den "Tunneln" zum Außenbereich für den Verteidigungsfall je Himmelsrichtung (ausgenommen Süd), über die massiven Beobachtungstürme mit Gefechtsoption, bis hin zu den Zaunanlagen und Detailsicherungen in Form von "Stolperdrähten" mit Signalisation und einer hochgestellten Lichttrasse.

(Quelle Text: P. Rentsch, heimatgalerie, Garnisons- und Wachdienstvorschift der Streitkräfte der UdSSR 1975, Bild 1, 2, 5: U. Feldmann)