Heimatgalerie - Seewerk Falkenhagen/VGS OK - Seite 2

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Seewerk Falkenhagen/VGS OK - Seite 2

Nach der Übernahme der Liegenschaft durch die Rote Armee im April 1945, errichtete diese dort ab Juni 1945, für die Struktur der rückwärtigen Führungsgruppe der Gruppe der sowjetischen Besatzungs­streit­kräf­te, einen ersten g e s c h ü t z t e n, stationären Arbeitspunkt ein. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, dass die sowjetischen Streitkräfte noch 49 weitere Jahre in Deutschland verbleiben würden. Die ab April 1945 Rahmen der Berliner Operation handelnden Fronten der Roten Armee, wurden truppendienstlich genutzt, um nach dem Mai 1945, die Hüllen für die Gruppe der sowjetischen Besatzungsstreitkräfte in Deutschland, die der Nordgruppe der Streitkräfte (Polen) und für die Zentralgruppe der Streitkräfte (CSSR) zu bilden.

Am Standort Falkenhagen wurde ohne Nutzung des früheren Bunkers für die Brandmittelproduktion, ein Gebäude (genaue Bezeichnung folgt) zum Arbeitspunkt der Rückwärtigen Führungsstelle (RFS) umgebaut. Im Keller des Gebäudes befand sich auch die sicherstellende Nachrichtenzentrale der RFS. Nach Gründung der GSSD befand sich der Hauptgefechtsstand der Westfront zunächst bis 1961 bei Rüdersdorf.

Der zentrale Bereich der Liegenschaft war zunächst für jeden frei begehbar. Viele Leute aus der Umgebung nutzten dort Angebote, wie z.B.: Kinobesuche oder Freundschaftstreffen. Das änderte sich jedoch ab 1959 mit dem Ausbau zur Führungsstelle (Füst) in der unterirdischen ehem. Kampfstofffabrik. Nach außenhin tarnte man nun das Gelände als Kfz-Instandsetzungswerk "TOPEDO", betreut durch die 413. Verwaltung zum Betrieb von Spezialobjekten (Wartungseinheit 413).
1965 wurde die Füst in Dienst gestellt und ab diesem Zeitpunkt ständig erweitert und ausgebaut. Diese umfangreichen Umbauten im Bunker bestimmen heute das Bild dieser ehem. Kampfstofffabrik. So wurden von den sowjetischen Streitkräften Wände entfernt, neue errichtet (eine der aufwendigsten Umbauten dürfte u.a. eine neue Wand sein, die sich komplett durch alle 4. UG zieht), der komplette vordere Bereich des ehemaligen Bahntunnels am Eingang "5 nach 12" mit einer 2etagigen Dekontaminierungsstrecke versehen und die Zu- und Ablufttürme verschlossen.
Ab diesem Zeitraum unterlag das gesamte Gelände der absoluten Geheimhaltung. Die neuen Nutzer dieses VGS des Oberkommandos der Truppen der Westrichtung waren im Friedensfall der Stab für den Westlichen KSP (direkt unterstellt dem Generalstab der Streitkräfte in Moskau), im Kriegsfall wäre das vorbereitete Objekt Falkenhagen binnen kürzester Zeit bereit gewesen alle Gefechtsfunktionen als VGS zu übernehmen. Als Zuführung dienten u.a. 3 Hubschrauberlandeplätze im Bereich der ehemaligen Sarin-Fabrik.

Der Bunkerkern war nach jahrelangen Umbauphasen, ständigen Veränderungen und Erweiterungen nun fast vollständig hermetisiert und gegen ABC-Waffen geschützt.

Was perfekte Tarnung bedeutet, zeigten später die Aufzeichnungen der NATO Aufklärung. Das Gelände wurde auf Seiten der NATO als Lager geführt und als unwichtiges Angriffziel eingestuft! Diese Tarnung wurde perfektioniert in dem das Gelände z.B. keine übermäßige Außensicherung (Hochspannungssicherungsanlage=HSA) hatte, sondern lediglich durch einen Doppelzaun mit Lichttrasse gesichert war. Zudem fehlten auch die üblichen Wachtürme. Als Zweckbestimmung wurde ein KfZ-Reparaturstützpunkt legendiert. Diese These wurde mit regelmäßigen Verkehrsaufkommen perfektioniert.
In regelmäßigen Abständen kamen deutsche Schulklasse aus der Umgebung zu Freundschaftsbesuchen und die DDR Führung wurde über den Zweck und den Ort der Anlage völlig im Unklaren gehalten. Selbst die GSSD wurde über den Sinn und Zweck nicht unterrichtet. Als Feldpostnummer nutze man die der Kommandantur Seelow. Was fast 30 Jahre keiner ahnte, im hinteren Teil des Geländes tief unter der Erde, lag nun das wichtigste Führungsbauwerk des Warschauer Vertrages, der VGS des Oberkommandos der Truppen der Westrichtung der VSK.

Erst nach dem Abzug ehemaligen Nutzer und der präzisen Arbeit der Rückbaukommandos wurde das gesamte Gelände 1992 der Sperrzone enthoben und mit falschen Zweckangaben den Deutschen Behörden zur Nutzung übergeben.

Die gesamte Geschichte dieser Anlage hier in allen Einzelheiten aufzuführen, würde unzählige Seiten füllen. Als kurzer Abriss der Geschichte sollte dies hier reichen.
Wer sich dennoch auf diese "Reise" begeben will,

... dem empfehle ich 2 sehr gute Bücher:

 

"Führungskomplex Falkenhagen
(Fotografische Perspektiven und militärhistorische Aspekte)"


"Geheimobjekt Seewerk"

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit: Heinrich-Jung-Verlag

Stand: 08.10.2018

(Quelle Text: P. Rentsch, R. Löhder, Archiv Heimatgalerie, [1] "Geheimobjekt Seewerk" - Dr. H. Hofmann)