Heimatgalerie - Seewerk Falkenhagen/VGS OK - Seite 2

Heimatgalerie

Dokumentationen zur Zeitgeschichte - damit die Wahrheit erhalten bleibt
Home GSSD/WGS Nachrichten Seewerk Falkenhagen/VGS OK - Seite 2

Seewerk Falkenhagen/VGS OK - Seite 2

Nach der Übernahme der Liegenschaft durch die Rote Armee im April 1945, errichtete diese dort in einem Gebäude ihren ersten Gefechtsstand (GS) der Rückwärtigen Führungsstelle der Front und eine Nachrichtenzentrale (der HauptGS der Front befand sich bis 1961 bei Rüdersdorf) ein. Die riesige unterirdische Kampfstofffabrik, die später zum Bunker umgebaut wurde, blieb gesperrt und unberührt. Im Außengelände begannen umfangreiche Demontierungen an Gebäuden und Anlagen.
Der zentrale Bereich der Liegenschaft war zunächst für jeden frei begehbar. Viele Leute aus der Umgebung nutzten dort Angebote, wie z.B.: Kinobesuche oder Freundschaftstreffen.

Das änderte sich jedoch ab 1959 mit dem Ausbau zur Führungsstelle (Füst) in der unterirdischen ehem. Kampfstofffabrik. Nach außenhin tarnte man nun das Gelände als Kfz-Instandsetzungswerk "TOPEDO", betreut durch die 413. Verwaltung zum Betrieb von Spezialobjekten (Wartungseinheit 413).
1965 wurde die Füst in Dienst gestellt und ab diesem Zeitpunkt ständig erweitert und ausgebaut. Diese umfangreichen Umbauten im Bunker bestimmen heute das Bild dieser ehem. Kampfstofffabrik. So wurden von den sowjetischen Streitkräften Wände entfernt, neue errichtet (eine der aufwendigsten Umbauten dürfte u.a. eine neue Wand sein, die sich komplett durch alle 4. UG zieht), der komplette vordere Bereich des ehemaligen Bahntunnels am Eingang "5 nach 12" mit einer 2etagigen Dekontaminierungsstrecke versehen und die Zu- und Ablufttürme verschlossen.
Ab diesem Zeitraum unterlag das gesamte Gelände der absoluten Geheimhaltung. Die neuen Nutzer dieses VGS des Oberkommandos der Truppen der Westrichtung waren im Friedensfall der Stab für den Westlichen KSP (direkt unterstellt dem Generalstab der Streitkräfte in Moskau), im Kriegsfall wäre das vorbereitete Objekt Falkenhagen binnen kürzester Zeit bereit gewesen alle Gefechtsfunktionen als VGS zu übernehmen. Als Zuführung dienten u.a. 3 Hubschrauberlandeplätze im Bereich der ehemaligen Sarin-Fabrik.

Der Bunkerkern war nach jahrelangen Umbauphasen, ständigen Veränderungen und Erweiterungen nun fast vollständig hermetisiert und gegen ABC-Waffen geschützt.

Was perfekte Tarnung bedeutet, zeigten später die Aufzeichnungen der NATO Aufklärung. Das Gelände wurde auf Seiten der NATO als Lager geführt und als unwichtiges Angriffziel eingestuft! Diese Tarnung wurde perfektioniert in dem das Gelände z.B. keine übermäßige Außensicherung (Hochspannungssicherungsanlage=HSA) hatte, sondern lediglich durch einen Doppelzaun mit Lichttrasse gesichert war. Zudem fehlten auch die üblichen Wachtürme. Als Zweckbestimmung wurde ein KfZ-Reparaturstützpunkt legendiert. Diese These wurde mit regelmäßigen Verkehrsaufkommen perfektioniert.
In regelmäßigen Abständen kamen deutsche Schulklasse aus der Umgebung zu Freundschaftsbesuchen und die DDR Führung wurde über den Zweck und den Ort der Anlage völlig im Unklaren gehalten. Selbst die GSSD wurde über den Sinn und Zweck nicht unterrichtet. Als Feldpostnummer nutze man die der Kommandantur Seelow. Was fast 30 Jahre keiner ahnte, im hinteren Teil des Geländes tief unter der Erde, lag nun das wichtigste Führungsbauwerk des Warschauer Vertrages, der VGS des Oberkommandos der Truppen der Westrichtung der VSK.

Erst nach dem Abzug ehemaligen Nutzer und der präzisen Arbeit der Rückbaukommandos wurde das gesamte Gelände 1992 der Sperrzone enthoben und mit falschen Zweckangaben den Deutschen Behörden zur Nutzung übergeben.

Die gesamte Geschichte dieser Anlage hier in allen Einzelheiten aufzuführen, würde unzählige Seiten füllen. Als kurzer Abriss der Geschichte sollte dies hier reichen.
Wer sich dennoch auf diese "Reise" begeben will,

... dem empfehle ich 2 sehr gute Bücher:

 

"Führungskomplex Falkenhagen
(Fotografische Perspektiven und militärhistorische Aspekte)"


"Geheimobjekt Seewerk"

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit: Heinrich-Jung-Verlag

Stand: 08.10.2018

(Quelle Text: P. Rentsch, R. Löhder, Archiv Heimatgalerie, [1] "Geheimobjekt Seewerk" - Dr. H. Hofmann)