Heimatgalerie - Seewerk Falkenhagen/VGS OK - Zweckbestimmung nach 1945

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Seewerk Falkenhagen/VGS OK - Zweckbestimmung nach 1945

Um das Objekt "Falkenhagen" in seiner Bedeutung richtig für den E-Fall platzieren zu können, ist ein Blick in die Strukturen und deren komplexen Verbindungen des Vereinen Oberkommando (VOK) interessant.

Das VOK war in der Sache eine reine Friedensstruktur, dessen Stab in Moskau ansässig war. Es war als Stabsorgan des Vereinten Kommandos deren Friedensführungsorgan und bestand aus den Vertretern der einzelnen Mitgliedsstaaten des Warschauer Vertrages und einigen Stabsstellen für Organisation, Verbindungswesen, Dolmetscherdienst etc. Das Kommando übte immer ein sowjetischer General aus. Zum VOK entsandten die Mitgliedsstaaten in der Vertragsorganisation des Warschauer Vertrages ihre Vertreter nach Moskau, die für eine festgelegte Zeit diese Verbindungs- und Führungsposition im Interesse der Vertragsorganisation, als auch im Interesse Ihrer Landesstreitkräfte wahrnahmen.

Der Beschluss bereits zu Friedenszeiten eine ständige Einrichtung in Form von Oberkommandos auf die einzelnen Kriegsschauplätzen (z.B. die kontinentalen KSP: Nordwest, West, Südwest, Nahost, Mittelost, Fernost, Nordost und Nord) zu schaffen geht auf die Mitte der 70er Jahre zurück. Der Hauptzweck lag in der Entlastung des Generalstabs und in der Möglichkeit die verbündeten Streitkräfte bereits sowohl im Frieden, wie auch im Spannungsfall einheitlich und zentralisiert zu führen um schnell und möglichst flexibel reagieren zu können. [2]
Um in einer kritischen Situation (Spannungsfall) keine eskalierende Wirkung durch Maßnahmen beim Übergang von der Friedensstruktur in die Kriegsstruktur zu vermeiden, arbeitete die militärischen Führungsorganisation bereits im Frieden in ihrer Kriegsstruktur. Auch die hohe Einsatzbereitschaft der Warschauer Vertragsstaaten zählte dazu.

"Arbeitet dagegen die militärische Führungsorganisation bereits im Frieden weitgehend in ihrer Kriegsstruktur, läßt sich für den Fall eigener Angriffsvorbereitungen das Überraschungsmoment leichter bewahren, weil aus dem Zustand der Führungsorganisation kaum noch Hinweise mit Indikationscharakter abgeleitet werden können." [3]

Bei Ausrufen des Bündnisfalls und damit der Wirkung der Vertragsmechanismen wurden aus verschiedenen Friedensstabsstrukturen die organisatorischen Gliederungen und Strukturen eingenommen, die im Falle des Krieges, der Bedrohung oder im Spannungsfall, der auch einen zeitlich längeren Zeitraum hätte abbilden können, die Stäbe und Truppen gebildet oder aufgefüllt, die im Handlungsfall die Organisation der Truppenführung ausüben sollten.

1) das Oberste Kommando mit Stab und Führungsstellen verschiedener Bedeutung in und um Moskau. Das Oberste Kommando bestand überwiegend aus Generalen und Admiralen bzw. Marschällen des Generalstabs der UdSSR, die ihre Führungskompetenz im Generalstab der Streitkräfte der UdSSR erworben hatten.

2) die Stäbe der strategischen Richtungen West, Süd, Südwest und weitere. Die Stäbe der strategischen Richtungen besaßen Friedensstandorte, für den Stab des Westlichen Kriegsschauplatzes/der westlichen strategischen Richtung war dies Liegnitz (VR Polen). Im Kriegs,-Bündnis- und/oder Handlungsfall hätte sich der Stab der westlichen Strategischen Richtung aufgeteilt und hätte verlegt nach:

2a) in den vorgeschobenen Gefechtsstand der westlichen strategischen Richtung (Objekt Falkenhagen [Friedensstandort])
2b) in den "Haupt"Gefechtsstand der westlichen Strategischen Richtung, befindlich auf dem Gebiet der UdSSR.
2c) für die Führung im Überraschungsfall oder bei kurzzeitigen Reaktionen bis zu dem Zeitpunkt, wo die ständig besetzten Gefechtsstände ihre Arbeitsfähigkeit voll erreicht hatten und vorher bestimmte Personen, Marschälle, Generale, Admirale und Stabsoffiziere diese FÜST erreicht hatten, bildete der Standort Liegnitz mit einer operativen Gruppe einen zentralen Übergangsstab, abgestützt durch einen ständig im DhS (Diensthabenen System) arbeitenden Übergangsstab, der für diesen Zeitraum die Führung in dieser strategischen Richtung personell, technisch und nachrichtenorganisatorisch aus Liegnitz sicherstellte.

Nach der Verlegung der Führung oder auch einzelner Führungspersonen sowohl für die Besetzung des VGS in Falkenhagen wie auch zur Besetzung des "Haupt" GS der westlichen Richtung, wurde die Führung von diesen beiden (und weiteren Gefechtsständen wie der Rückwärtigen FÜST für den rückwärtigen Raum, wie auch des Wechsel GS für Organisation der Führung der Truppen der Westrichtung [beide UdSSR]) übernommen.

Aus dem Bestand der Verteidigungsministerien der einzelnen Mitgliedstaaten wurden schon zu Friedenszeiten die Personen benannt, die als Stellvertreter des Oberkommandierenden des Warschauer Vertrages, diese Funktion auch im Bündnisfall hätten übernehmen sollen. Für die NVA war dies Generaloberst Fritz Streletz, als Stellvertreter des Oberkommandierenden des WV.

Das Prinzip ähnelte im kleiner Rahmen dem der Streitkräfte der DDR. Das MfNV wird im Kriegsfall zu einem Führungsorgan für den militärischen Teil. Aus Friedensstruktur wurde immer eine Doppelspaltung für Führungskräfte Vorn und in den Haupt GS und der lag niemals in der DDR, die HGS aller wichtigen strategischen Funktionen lagen in Friedenszeiten mit hohem Auffüllungsgrad im DhS, befindlich im Raum ihrer Handlungen und im Kriegsfall alle auf dem Territorium der UdSSR.

Außer dem Szenario eines Überraschenden Angriffs, hätten diese Führungskräfte schon zu Spannungszeiten oder auf Befehl rechtzeitig in diese FÜST verlegt. Dennoch waren die wichtigsten FÜST im Bündnis rund um die Uhr arbeitsfähig, lagen im DhS und hatten einen ungefähren Auffüllungsgrad von 80%.
Für Falkenhagen bedeutet dies, dass alle Gefechtsposten im DhS ausreichend besetzt waren und im Handlungsfall vermutlich die Stäbe der strategischen Richtung West aus Liegnitz sowohl in den VGS verlegt, also auch die Hauptführungsstelle besetzt hätte. Für diesen bestimmten Fall war das Objekt jederzeit bereit eine Gefechtsfunktion als VGS zu übernehmen. Für die schnelle Zuführung der Befehlshaber wurden in Falkenhagen 3 Hubschrauber Landeplätze errichtet, die gestatteten die gesamte benötigte Führungsmannschaft (nicht die Verbindungsoffiziere) mit Hubschraubern einzufliegen. Für diesen Fall war die geschützte Wartezone im Bunker, die entsprechenden Schleusenkapazitäten, als auch die Arbeitsräume im Stab des Oberkommandos der Truppen der Westrichtung baulich, technisch und organisatorisch ausgelegt und auch vorbereitet. Alle notwendigen Nachrichtenverbindungen waren immer bereits geschaltet bzw. lagen an, wurden im Bedarfsfall aber erheblich erweitert.
In der Zeit wo sich kein entsprechender Führungsstab in Falkenhagen befand, wurde das DhS von Generalen im Rang eines Generalmajors oder Generalleutnants ausgeübt. Ein Wechsel erfolgte alle 14 Tage. Für diesen Führungsstab gab es einen gesonderten Speisesaal, ein Militärhotel im besonders gesicherten Gebiet des Oberkommandos. Die Stabsoffiziere und Generale hatten gemäß ihrem Auftrag nachkommend in der Regel ein weiteres Arbeitszimmer im Stabsgebäude des Oberkommandos.

Das Objekt in Falkenhagen wäre nie ein Hauptgefechtsstand geworden, es sei denn, das gesamte Oberkommando der Westrichtung hätte nach vorn verlegt. Die HGS zur Führung der Fronten und Verbände auf dem Westlichen KSP lagen alle im Westteil der UdSSR. Es hätte organisatorisch keine Notwendigkeit deren Verlegung Richtung West gegeben. Das OK der Westrichtung konnte auf ein komplexes Netz von Füst und Führungsorganen zurückgreifen. 

Gliederung der Befehlsebenen:

Friedensstruktur:
a) Oberstes Kommando mit den Füst des Obersten Befehlshabers und des Generalstabs (in und um Moskau)

b) die Oberkommandos der strategischen Richtung West/Südwest/Süd

Spannungsfall/Krieg:
a) Füst des Oberkommandos der Truppen der strategischen Richtung West/Südwest/Süd (Westteil  der UdSSR)
b) VGS des Oberkommandos der Truppen der Westrichtung/westl. KSP (Falkenhagen)

c) die Gruppen der Streitkräfte (GSSD, NGT, SGT) FÜST (Möhlau, Wilkocin, Miliovice). RFS (Merzdorf), VGS (Lossa), WGS (Pechüle)
d) die Armeen: 1. GPA (Dresden), 2. GPA (Fürstenberg), 3. SA (Magdeburg), 8. GA (Nohra/Weimar), 20. GA (Eberswalde), 16. LA (Wünsdorf). Alle 6 Armeen waren in ihrer Arbeit gestützt durch RFS, GS, VGS und WGS.
e) für die 20 Divisionen galt eine gespiegelte Abstützung: jede Division verfügte zur Sicherstellung ihrer Aufgaben über eine RFS, GS, VGS und den WGS.
f) für alle Regimenter wiederholte sich Objektstruktur (RFS, GS und VGS), bis auf den Wegfall des WGS.

(Quellen: [1] P. Rentsch, [2] A. Gribkow - Im Dienste der Sowjetunion, [3] H. Nielsen - Die DDR und die Kernwaffen/Die nukleare Rolle der Nationalen Volksarmee im Warschauer Pakt)