Heimatgalerie - Projektierung und Bau von Militärstädten

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Projektierung und Bau von Militärstädten

Teil 1:

Anforderungen an die Projektierung und Bau in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg, insbesondere außerhalb der UdSSR der Waffengattungen Spezialtruppen und Dienste. Mitunter sind einzelne Passagen auch auf die früheren Jahre der GSSD in der DDR anwendbar.

 

Die Projektierung, der Bau und der Betrieb von Kasernen oder gesamten Militärstädtchen der Waffengattungen Spezialtruppen und Dienste, war eine logische Kette von Arbeiten, die von der Standortidee bis zur Übergabe und Nutzung von Kasernenkomplexen/Militärstädten der Streitkräfte führte. Neben klimatischen, bodengeologischen und technikspezifischen Anforderungen an den zu entwickelnden/zu bauenden Standort, waren es vor allem die nutzungstechnischen Besonderheiten, die die Standortauswahl, Projektierung, Bau und Nutzung massiv beeinflussten. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es durchaus sehr unterschiedliche Konzeptionen beim Kasernenbau gab. Die Kasernenbauten der 50’er Jahre des letzten Jahrhunderts sahen baulich ganz anders aus, als neuere Bauten aus den 80’er Jahren.
Das betraf insbesondere aus Gründen der Alarmabläufe, der Anzahl des unterzubringenden Personalbestandes an Offizieren, Berufskadern und Wehrpflichtigen, den Abmaßen der Hauptkampftechnik, solche baulichen Kasernenelemente wie Kfz.-Parks, Lagergelände, Produktenlager (Lebensmittel), Munitionslager, Munitionswerkstätten, bis hin zur Größe der Technikparks für Bewaffnung, oder die Höhe der Unterkunftsgebäude.

Dem Prinzip nach ging es bei Neubauten um standardisierte Projekte, die neben den Unterkunftsgebäuden, Clubs, Einkaufsgelegenheiten, auch Waschplätze für die Technik, Reparaturplätze und Werkstätten, Tankstellen, Standortschulen und Kindergärten, Schwimmbäder, Heizhäuser, Stäbe und ähnliche Typgebäude enthielten. Anders verhielt sich das Geschehen, wenn kleine Kasernenanlagen für funktechnische Truppen, abgesetzte Munitionslager, Spezialtruppenteile oder Raketenbasen zu errichten waren, hier richtete sich der projektierte Umfang meist nach verwendeter Technik oder dem Nutzungszweck des Standortes. Zum Teil mussten hier die Pioniertruppen der Landstreitkräfte Unterstützung beim Bau, wie auch bei der Geländemodellierung geben, wonach beim Straßenbau dann auch Steigungen für künstliche Höhenzüge von Radaranlagen etc. zu beachten waren.
Ebenso komplex und schwierig war die Nutzung von Standorten, bei der Nachnutzung von Kasernenanlagen früherer Nutzer oder bestehenden Kasernenanlagen in Städten oder Stationierungsländern außerhalb der UdSSR, weil hier eine nachträgliche Ausdehnung des Objektes, bei zusätzlichem Platzbedarf, meist unmöglich war, wenn sich die ältere Wehrmachtskaserne oder sogar aus wilhelminischer Zeit in einem gewachsenen Stadtensemble befand.
So war auch das Umdislozieren von sst. Truppenteilen in andere Städte oder bei Strukturveränderungen der Waffengattungen sehr komplex, weil sich ein Panzerbataillon oder ein Artillerietruppenteil mit Kettentechnik, nicht so ohne weiteres in einer Kaserne der früheren Landwehr unterbringen ließen, wenn selbige sich im Innenstadtbereich oder der stadtnahen Peripherie befand. Dann musste die Hauptkampftechnik die öffentlichen Straßen nutzen, auch der Weg zu den Truppenübungsplätzen war oft sehr weit. Die gedeckte Alarmierung und Verlegung dieser Truppenteile waren so gut wie unmöglich.

Neben Projektierungsansätzen in den Waffengattungen (Panzer, LSK, See-Streitkräfte, RWSN…) die bestens mit den Besonderheiten und der Hauptkampftechnik ihrer Waffengattung umgehen konnten, waren aber die Masse der der in den Kasernen gebauten Gebäude, einfache Typbauten. In der Regel handelte es sich um einfache Betonplattenbauten, die für die Nutzung bei den Streitkräften adaptiert wurden oder 1,2,3-etagige Steinbauten in bekannter Maurerbauweise. Probleme gab es bei der Umnutzung bestehender kaiserlicher oder von Wehrmachtskasernen. In der Regel baute die deutsche Luftwaffe aufgelockerte, dezentralisierende, zweietagige Gebäude und legte hohen Wert auf Sichtschutz und Baumbewuchs. Das minderte die Anzahl unterzubringenden Armeeangehörigen in den Unterkünften (Raumbedarf x Anzahl AA) erheblich, auch der Versorgungsaufwand für Heiztrassen und Zuwegungen, Winterdienst und Grünanlagen wuchs beträchtlich. Anders bei Kasernenanlagen die früher zum Heer gehörten, hier dominierten die 5-etagigen Unterkunftsbauten, in denen meist eine Kompanie pro Etagenflur untergebracht werden konnte. Da die Karabiner 98k in kaiserlichen Kasernenobjekten in entsprechenden Nischen auf den Fluren abgestellt wurden, war der zusätzliche Verbrauch von Räumen für Waffenkammern gering.
In den sowjetischen Streitkräften wurde daher frühzeitig begonnen, alle benötigten Gebäude, von der Tankstelle über den Waschplatz, bis hin zu den benötigten Kfz Garagen zentral zu projektieren und als Baukastensysteme an die Truppenstandorte zu liefern. Ursächlich als Wegbereiter kann man hier die Seestreitkräfte sehen, die Hafenanlagen, Piers und Versorgungsgebäude, aber auch Tanklager für ihre Flotten unbedingt einheitlich für die zu stationierenden Schiffstypen und fahrenden Einheiten projektieren musste. Die erste Vorschrift des Zentralen Projektierungsbüros der Marine (Militärprojektbüro Nummer 1) stammt dazu aus dem Jahr 1954.

Baulich möglich war auch der Truppeneigenbau an den Standorten, wenn die entsprechenden Projektierungsunterlagen zur Verfügung standen. Das traf meist auf einfache Gebäude und Nutzungseinheiten zu, wie Wachgebäude, Werkstätten, Kontrollpunkte. Sichtbar wurde das bei den Landstreitkräften dieser Zeit durch Verwendung von Typgebäuden in Kasernen die sich bei genauem Hinsehen an vielen Standorten wiederfinden, wie Hauptwachen, Munitionslagerhallen, Kfz Stellflächen, Schleppdachanlagen usw. usf. Oft wurde aber auch im Eigenbau in der Truppe, meist aus Zeitgründen oder auf Druck der Kommandeure/Befehlshaber „irgendetwas“ zusammengebaut, das dann auch wie „irgendetwas aussah“. Das war die andere Seite der Medaille. Schwierig wurde es bei der Nutzung von Objekten auf Kfz Parks und in Garagen, wenn später neue Kampftechnik zugeführt wurde oder sich die Anforderungen für die Unterstellung von Spezialtechnik grundlegend (auch in den Vorschriften) änderten. Höhe, nutzbare Hallenbreite, Hallenlänge und die Breite der Toreinfahrten ließen sich eben nicht durchgängig bei größeren Kfz.-Park-Objekten ändern, wenn man nicht eine komplette Garagenlinie umbauen wollte. Hier blieb dann nur, ein Neubau von Hallenkomplexen, unter Nutzung der Typvielfalt an vorprojektierten Anlagen, um den geänderten Forderungen gerecht zu werden, das traf vor allem ab 1962 auf Technik und Bewaffnung der Raketentruppen -u. Artillerie zu, die wegen der geforderten Langzeitlagerung von Trägern und Gefechtsköpfen eine Beheizbarkeit und Belüftung von Hallen und Garagen forderte.  
Andersherum erwies sich die Nachnutzung früherer Kfz Garagen, die den Anforderungen der Deutschen Wehrmacht genügten, als schwierig, weil meist die horizontale Garagentiefe, Torhöhe und Torbreite, wegen der Torpfeiler nicht zu ändern war. Zugleich waren auch die Wendeabstände und die erforderlichen Abbiegehalbkreise an den Kfz Hallen, natürlich auf Fahrzeuge der Typklassen im 2. WK angelegt, nicht auf eine Nachnutzung mit einem Ural mit 5 Tonnen Sattelauflieger. Um hier für die Streitkräfte einheitliche Lösungen (außerhalb der Spezialanlagen für die WG, ST, D) zu finden übertrug das Verteidigungsministerium diese Projektierungsarbeiten zwei spezialisierten Projektinstituten, die dem Verteidigungsministerium direkt unterstanden.

Das war für alle baulichen, die Bauhülle, Statik und Nutzungsanalysen betreffende Fragen
•    erstens das 53. Zentrale Projektierungsinstitut der Streitkräfte und
•    zweitens für nachrichtentechnische, sicherungstechnische und versorgungstechnische Fragen (Stromversorgung, Schaltanlagen) spezialisierte 26. zentrale Projektierungsinstitut der Streitkräfte der UdSSR.

Die Projektierung ganzer Militärstädte hatte, je nach Anzahl der unterzubringenden Armeeangehörigen und der damit im Zusammenhang stehenden Fragen zu Wohnflächen, Unterkünften, Antretplätze, bis hin zu Ausbildungsobjekten, Heizleistung, Elektroenergieabgabe, nach feststehenden Hauptschwerpunkten zu erfolgen. Je nach Größe unterschied man zwischen Großstandorten mit mehr als 10.000 Militärangehörigen abstufend bis zu Kleinststandorten für rund 100 Militärangehörige. 
Projektierungstechnisch wurde in der dazu erlassenen Vorschrift aus dem Jahr 1974, folgende Bereiche innerhalb des Militärstädtchens unterschieden:
1.    Eigentlicher Kasernenbereich(e) mit Unterkünften, Stäben, Lehrgebäuden, Klubs etc.
2.    Parkzonen für Technik und Bewaffnung (Ausrüstung).
3.    Wohnzone(n) (für die Berufssoldaten und Offiziere, zum Teil auch Gästehäuser und Hotels)
4.    Versorgungs-u. Sicherstellungszone(n) (Wasserwerk, Heizhaus, Trafostationen oder Umspannpunkte), aber auch Bäckereien, Schweinemast etc.
5.    Lagerbereich(e) 

Gesondert anzulegen waren durch die Bautruppen und wurden zuvor projektiert, Verbindungswege, Fußgängerwege, Fahrstraßen für die Technik, wenn erforderlich. Eigenständige Projekte, auf die im Rahmen der Planung von Militärstädten zurückgegriffen werden konnte waren zum Beispiel: Kindergärten, Garnisonschulen, Kinos/Klubgebäude, Häuser für Offiziere, Generale, Ausbildungsobjekte, Wach-u. Schießgarten, Munitionslager der Objektwache(n), Spielplätze, aber auch Lagerplätze für die sicherstellenden Heizwerke, Tankstelle mit Objekttanklager, Waschplätze für Fahrzeuge und Kfz, Waschplätze für Kettentechnik (da wo erforderlich). [1]

Quelle: [1] P. Rentsch