Heimatgalerie - Projektierung und Bau von Militärstädten der CA - Prolog Technik & Bewaffnung

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Projektierung und Bau von Militärstädten der CA - Prolog Technik & Bewaffnung

Einleitung zur Projektierung von Kasernenbauten für Technik und Bewaffnung in Militärstädtchen

Es gab zwei Hauptvorschriften, eine für die Projektierung von Kasernen (zu denen in der Regel auch ML, Tanklager, Kfz Parks gehörten) und denen, die sich mit dem Betrieb und der Unterhaltung der Anlagen im täglichen Betrieb befassten. Beide Projektierungen und der Betrieb waren zeitlich zwei verschiedene Ebenen, die erst richtig passend gemacht wurden, als dazu nach 1977 der entsprechende finanzielle Druck vorhanden war.

Erfahrungen im Betrieb waren erst vorhanden, wenn entsprechende unifizierte Projekte (Typkasernen) und Ergebnisse in der langfristigen Nutzung vorlagen. Hierdurch stellte sich dann heraus, dass nicht jede zentrale Lösung
(wie zentrale Heizhäuser, abgelegen weit weg vom Objekt) eine gute Lösung war, weil eben über Wärmeverteilung und Trassenführung auch Verluste und Kosten entstanden. Aber das wirkte erst in den Neubaukasernen. In nachgenutzten Objekten musste man das nutzen was vorhanden war und das war, bei Heizung, Wasserversorgung und Entsorgung nicht mehr beliebig erweiterbar, weil sonst der gewollte Temperaturvorlauf in den Heizkreisen und der erforderliche Durchfluss an warmem Wasser fehlte.

Waren Neubaukasernen vom Partnerland der Stationierung errichtet worden, wurden vorhandene Materialien genutzt, aber manche Lösung blieb, gerade deshalb zum Teil auch uneffektiv, weil anfangs nicht durchgängig Daten über die unterzustellende Technik (Abmaße, lichte Höhen, Rangierkreise an Ausfahrten, Antriebskonzept [Kette/Rad]) vorlagen. Das war auch in Bezug auf Isolationsberechnungen gegen Wärmeverluste, Abmaße von Typplatten, Schrumpf- und Dehnungsverhalten von Zementsorten, Wahl der Zuschlagstoffe, aber nötig, da eine bauliche Lösung in der DDR für mitteleuropäische Verhältnisse ersonnen, ein Fiasko sein kann, wenn man mit dem Planprojekt in Gebieten mit erheblichen Temperaturunterschieden oder im Permafrost Gebiet punkten will.

Hier stellte sich schnell heraus, dass bestimmte Torlösungen, Vergussmassen und Lösungen der Fortführung der Niederschlagsmengen oder Aufnahme der Schneelast völlig anders gelöst hätten werden müssen, wenn man sich rechtzeitig im RGW auf entsprechende, gemeinsame Lösungsansätze geeinigt und dazu einen von der DDR vorgeschlagenen Projektierungsschlüssel akzeptiert hätte. Dahinter versteckte sich ein System, wonach ein Projektant erkennen kann, unter welchen Bedingungen (klimatisch) mit welchen Zuschlagstoffen und Betonsorten, und mit welchen Lastannahmen er projektieren soll, wenn gemeinsame Projekte wie Heizhäuser, Straßen, Lagerhallen zu projektieren und anschließend zu bauen waren.
Die UdSSR akzeptierte dieses Vorgehen, wenn auch zu 100% sinnvoll, nicht, weil damit im Umkehrschluss Rückschlüsse auf das Projekt gezogen werden können. Damit hätten Mitarbeiter oder Unbefugte, die die Hintergründe zu den Zahlen kannten, leicht erkennen können, dass es sich beispielsweise um ein Lagerprojekt für besondere klimatische Verhältnisse, beheizbar, für Technik oder Munition der Kategorie „XY“ gehandelt hätte. Das wollte man auf jeden Fall ausschließen und das ging den Projektanten nichts an, war die Position der Hauptverwaltung Quartier- und Unterkunftsdienste. Schematisch betrachtet ist das richtig, aber es macht keinen Sinn, jemanden ein Projekt ausarbeiten zu lassen, welches schon von der Deckenlast und den Lösungen zur Dichtheit der Ausgleichsfugen versagt und als Halle projektiert, aber nicht übererdbar ist.
Insofern war die Position der Projektanten nach einem verbindlichen Projektierungsschlüssel für bestimmte, universell nutzbare Gebäude und Anlagen verständlich. Es gelang für eine große Anzahl von Bauten die Lösungen über neutrale, gemeinsam getragene RGW Musterprojekte zu finden. Eine durchgängige Lösung jedoch (einfach, überall gültig, im gleichen Rahmen universell nutzbar), gerade für die Militärprojekte, wurde nicht erlangt, weil sich in diesen Fragen das Verteidigungsministerium in Moskau widersetzte.

So gab es dann zum Teil negative Erfahrungen in der Industriebaubranche, bei der die DDR betriebs- und schlüsselfertige Projekte an Bahntrassen oder Gastrassen übergab und schnell feststand, dass bestimmte bauliche und projekttechnische Lösungen völliger Nonsens waren. In der Regel waren das "Erfahrungen" in der mangelnden Isolation in sibirischer Kälte und Trockenheit, Feuchteisolationsprobleme, durchnässte Bauwerke, mangelnde Materialstärken, fehlende Haltepunkte für nachträgliche Isolierungen, und Dachisolationsprobleme, weil bestimmte Zementsorten und Zuschlagsstoffkonzentrationen anders auf dauernde Erwärmung durch die Sonne oder bitterkalte Nächte reagieren, als das zu Hause in der DDR bekannt war. Natürlich kann man dann zeitnah nachsteuern, aber alle Typbauwerke für Pumpstationen, Stellwerke etc. nachzurüsten war nicht geplant und auch nicht Bestandteil des Projektes. Deshalb war das vorgeschlagene Schlüsselsystem so gesehen, eine gute Sache, um bei gleichen, oder ähnlichen Standortfaktoren in verschiedenen Regionen hier nivelliert vorgehen zu können.

Bittere Erfahrungen im Dauerbetrieb machte man zum Beispiel mit angeblich dauerelastischen Verfugungen, wie sie auch in der DDR-Grossplattenbauweise verwendet wurden und eben auch für etliche Industriehallenprojekte. Nach Ermüdung, der meist chemisch eingebrachten Weichmacher, verhärtete die Masse nach und nach, riss langfaserig auf und gab damit die Fugen zwischen Segmenten oder Bauabschnitten frei, was auf Dauer Wasser in die Plattentragwerke vordringen ließ und vor allem auch die Armierungen angriff. In den extremen Kälteregionen konnte man die Verfugungen, hart wie ein Besenstiel, komplett aus den Fugen ziehen, weil die Fugenmasse nicht mit der Kälte und dem Ableben der Weichmacher klarkam.
Erst Anfang der 80'er Jahre gelang es durch RGW weite Normung und der Anpassung der Forderungen zwischen TGL und GOST zu einer starken Vereinheitlichung im Sinne der qualitativ langfristigen Nutzbarkeit, sortiert nach Nutzungsgruppen, Klimaregionen und Belastungsgruppen.
Daher waren die meisten, umprojektierten Industriehallenprojekte, versehen mit verschiedenen Torlösungen, umwallt und übererdet, verschiedenen Deckenbelastungsgruppen, wegen Erdmassen- und Schneelast, bis hin zur Tragfähigkeit der Fußböden und Lösungsansätzen der Stützstempel, eher alles Speziallösungen, bei dem man nur ein Grundprojekt übernahm, dieses aber dann auf den Nutzungszweck adaptierte. Das betraf dann in der Regel alle Fragen der Versorgung, Belüftung, Entlüftung, Beheizung, Feuchtigkeitsreduzierung, Torbreiten, Torhöhen, Sturzrahmen, Lastaufnahmen, Verstärkungen von Außenwänden, Versteifung einzelner Sektionen, zusätzlichen Schlupftoren, Beleuchtung, Ladestromverteilungen, Pressluftzuführungsanlagen, Gruben in den Hallen, Entwässerung der Dachebenen, Seitenwände und Kanalisationsführung aus dem Bereich schwerer Lasten und Fahrbahnen herausgeführt. Das ist das Stimmungsfeld in der Frage der  Hallennutzung, dass als Betriebsvorschrift, genannt WSP, im Gegensatz zu den übergeordneten WSN Vorschriften gültig war. Hier hatten natürlich Hallen für eine Kfz-Transport Btl. einen zwar ähnlichen Aufbau und ähnliche Abmaße, aber manchmal auch ganz andere Lösungsansätze, als die im Rahmen der Raketentruppen- und Artillerie genutzten Hallen, weil die RTA Vorschriften für das Abstellen, die Beheizung, die Klimatisierung, das Abstützen der Ladung von Akkumulatoren der Technik, wie auch der Bewachung und Zugangsbeschränkung einzelner Fahrzeuge, ganz andere Vorgaben machte, als die Hauptverwaltung Kfz Wesen.
Das spiegelt sich dann an einzelnen Projekten deutlich wieder, wobei man eben auch hier, erst negative Erfahrungen bei der Verwendung einzelner Bauteile machte (in der Regel waren dies unterdimensionierte Bodenteile oder Seitenelemente, bis hin zu den bekannten Kassettendeckenelementen, die sich zwar gut auflegen und montieren ließen, aber keine stärkere Übererdung zuließen und dazu in der Masse erhebliche Dichtheitsprobleme an den Fugen verursachten, wenn sie nicht speziell isoliert wurden. Bedingt war dies auch wegen der mangelnden Herausgabe von Bauforderungen an die Projektierenden, denn wie sollten diese denn wissen, welche Deckenlast und Lastkräfte abzuführen waren, wenn man ihnen das nicht gesondert vorgab (siehe Schlüsselprojektierungsansatz).

In der Argumentation ist wichtig zu sagen, in normalen Kasernen der Linieneinheiten, wie PR, MSR, PD, MSD waren Artillerie, Raketen, Munition, Bewaffnung, neben Kfz Dienst, chemischer Abwehr eben die normalen Struktureinheiten eines Regimentes, oder Truppenteile einer Division, deren genutzte Bauten sich in der Regel diesen Spezialverwendungen anpassten. So mussten die Unterstellhallen oder Unterstellplätze der Pioniereinheiten ganz andere Abmaße sicherstellen, als die der Nachrichteneinheiten.

Während natürlich die Lager der Waffengattungen und Dienste als zentrale Lager und Basen natürlich die Vorgaben ihrer Hauptnutzer baulich und betriebstechnisch sicherzustellen hatten, daraus folgten dann zum Teil eine ganz andere Lagerinfrastruktur und Sicherungskonzepte. [1]

Stand: 19.04.2020


Quelle: [1] Übersetzung/Beratung: P. Rentsch, Formulierung: Heimatgalerie