Heimatgalerie - Projektierung und Bau von Militärstädten der CA - Teil 2 - Vorgaben Kasernen

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Projektierung und Bau von Militärstädten der CA - Teil 2 - Vorgaben Kasernen

Militärische Entwurfsvorgaben für Kasernen, Kfz-Parks, allgemeine Lager und Munitionslager

Lösungsmöglichkeiten für Parkzonen für Kfz-Technik u. Bewaffnung:
Ziel einer Vorschrift für den Entwurf möglichst oft anwendbarer, vorprojektierter und nach Baukastensystemen entworfener Kasernenanlagen und deren Nutzungskomponenten war es, neben der Reduzierung erheblicher Projektierungskosten für die einzelnen Anlagen, natürlich auch in erster Linie, Kosten zu sparen. Man ging gedanklich davon aus, dass Kasernen und ihre Nebenobjekte, gedacht für Linieneinheiten, sowohl in der Brigadestruktur, wie auch in der gewohnten Btl./ Regimentsstruktur, zu einem hohen Maß an Einheitlichkeit führen können, müssen und sollen.
Grundstock aller Überlegungen war, natürlich auch mit Bezug auf eigene Erfahrungen einer 300- jährigen russischen Militärgeschichte, wie viel Platz ein Soldat im Militärdienst durchschnittlich benötigt oder ihm zusteht. Daraus ergeben sich bei Mannschaftsstärken von Gruppen (10 Armeeangehörige), Zugstärken von rund 30 Mann, Kompaniestärken von rund 100-120 Mann oder Btl.-Stärken von rund 350 Mann, relativ einfache Rechenmodelle für Unterkünfte, Sanitäranlagen, Lagerflächen für Uniformen und Ausrüstungen, Waffenkammern für die persönliche Bewaffnung und die Kammern der PSA (Persönliche Schutzausrüstung).
Will man erreichen, dass Linientruppenteile im Falle der schnellen Alarmierung die genutzten Gebäude zügig verlassen können, müssen auch Flure und Treppen eine gewisse bauliche Breite haben. Hinzu kommen die Arbeitszimmer der Führung, Waffenkammer, Ausgabe und der Arbeitsbereich der entsprechenden Kompaniefeldwebel.
Früher vorhandene Modelle für Ausbildungsklassen in Unterkunftsgebäuden wurden verworfen, stattdessen aber Ausbildungsgebäude in den Kasernenobjekten zentral genutzt. Diese waren in der Nutzung allgemeinen Schulobjekten ähnlich, wobei die Fachbindung der Lehrklassen zu den Waffengattungen, unterschiedliche Fachkabinette erforderte, was auf Grund der verschiedenen Lehrmodelle an Technik (Panzer, Kfz.-Dienst, Nachrichten, chemischer Dienst etc.) sehr unterschiedlichen Platzbedarf voraussetzte.
Ein Komplettmodell eines Panzers oder verschiedene Motorenschnittmodelle ließen sich nicht so ohne weiteres in kleinen Lehrklassen unterbringen. Daher waren die Lehrgebäude der Waffengattungen bei größeren Kasernenanlagen getrennt in die Lehrgebäude mit der spezifischen Schwerpunksetzung auf die Ausbildung in dieser Waffengattung oder Spezialtruppe.
In der militärischen Gesamtentwurfskonzeption wurde versucht, nicht nur eine Handlungsrichtlinie für den Entwurf der Kaserne, sondern auch für die einzelnen Truppenteile zu geben, weil sich an Hand von Personalgerüst und Struktur der Einheit die unterzubringen war, relativ einfach berechnen ließ, wie viel Straßenraum welcher Durchlassfähigkeit, wie viel Lagerfläche für Munition und Ausrüstung, wie viele Unterkünfte für die kaserniert unterzubringenden Mannschaftsdienstgrade, wie viele Heime für länger Dienende und Offiziere zu errichten wären. Hinzu kamen manchmal Turnhallen, Schwimmbäder, die Schulen der Garnison, Clubhäuser, Kinos, Einkaufsmöglichkeiten nach Dienstgradgruppen, Heizhäuser, Wachen, Kontrollpunkte, Hallen für die Technik. So betrachtet, war es grundsätzlich möglich, bei Neubauvorhaben alle Bausteine einer Kaserne entsprechend Platzangebot vorzuprojektieren und nach der Geländevorbereitung, Geländemodulation, auch zu errichten.
Natürlich gab und gibt es beim Militär immer auch Besonderheiten in der Projektierung, die man nicht voll umfänglich in eine allgemeine Vorschrift fassen kann, vor allem wenn der potentielle Nutzer völlig gegensätzliche Waffensysteme einsetzt. So wird die Kaserne einer Marinebasis, einer Lufttransporteinheit mit angeschlossenem Flugplatz oder der Kfz-Park der Strategischen Raketentruppen immer differenziert zu betrachten sein, schon auf Grund der völlig unterschiedlichen Waffensysteme.
Aber alle anderen Komponenten, vom Lagerbunker in einem Infanteriemunitionslager, über die notwendigen Abstände der Lagerhallen, Detonationsschutzwälle, Zufahrten und Wendekreisdurchmesser der Einfahrten, konnte man das für normale Linieneinheiten genau vorausbestimmen. So waren die Projektierung der notwendigen Instandsetzungsbasen bei Kfz-Transporteinheiten ebenso unifiziert, wie die Objektfeuerwehr oder die (das) BA Lager.

An Hand der notwendigen Anzahlen an Transportraum (LkW’s) war bekannt, wann und wie oft bei welcher Jahreslaufleistung der Motoren welche Inspektionen erfolgen müssen, es war bekannt, wie viele Akkumulatoren in den Ladestationen zu laden waren, wie viele Ölwechseln im Durchschnitt zu realisieren sind und wie viel Stellfläche man in den Hallen dafür benötigt. Also war es relativ einfach, alle Komponenten auf Kfz-Parks, wie zentrale Ladestation, Waschplätze, Werkstattobjekte, Fahrwege, Bremsprüfabschnitte, Kontrollpunkte der Inspektion des Kfz-Wesens (WAI), bis hin zu Plätzen der Schneeverbringung in einem Typprojekt festzulegen. Selbige gab es bis zur Ebene Regiment in vorgefertigten Projekten, sprich Aktenordnern mit allen erforderlichen Unterlagen, von der Brandschutzschneise, bis zur Tankstelle, vom Waschplatz für rückkehrende Fahrzeuge oder gepanzerte Technik, bis zur Feuerwehr oder dem angeschlossenen Betriebsstofflager. Für bestimmte klimatische Zonen gab es nicht nur Waschstraßen für die Technik, sondern auch beheizbare Waschhallen, weil sonst bei eisigen Temperaturen die Technik einfach vereisen würde.

Waren an einem Standort mehrere Regimenter, hatte der Gesamtstandort eben zu multiplizierende Einzelobjekte, je nach Truppenstärke. Zum Teil finden sich in solchen Großstandorten natürlich auch Teiländerungen in den statistischen Tabellen, weil es natürlich einfacher ist, bei einem Großstandort die zu beheizenden Hallen, Werkstätten oder Instandsetzungsbereiche von einem zentralen Heizkraftwerk, als 20 oder 30 kleinere Heizungen zu betreiben, das kam aber maßgeblich auf den Versorgungsaufwand über Rohrleitungen und die erforderliche Infrastruktur am Standort an. Ständige Erweiterungen der Kfz-Parks, Lager und Technikunterstände führten oft zu einem irrwitzigen Sammelsurium an verschiedenen kleinen Parkobjekten, Wachen, Zuwegungen, kleinsten Heizhäusern.
Oft waren die Kfz Parks in Kasernen, die zu Wehrmachtszeiten gebaut und errichtet wurden, schwer in den Abmaßen zu ändern, weil neuere Kampftechnik oft nicht in die Hallen hineinpasste und dann als Außenobjekt getrennt von den anderen Transportmitteln stehen musste. Das führte oft zu hohen personellen Wachaufwendungen, Kabelsalat an den Masten für die Versorgung, kleinen Heizhausanlagen die völlig ineffektiv arbeiteten. Als Beispiel sei hier die Unterbringung eines Pionierpontonregimentes genannt. In keine zu Wehrmachtszeiten in der Masse als Kfz Unterstellmöglichkeit vorgesehen, passte die genutzte Technik samt aufliegendem Ponton hinein, so dass diese Technik meist im Freien stand, was Akkumulatoren, Reifen und Federung stark zusetzte und im Winter längere Vorwärmphasen der Motoren und zugefrorenen Führerhausverglasung erforderte. Die Nachnutzung bestehender Kasernenkomplexe bereitete dem Quartier- und Unterkunftsdienst große Sorge, weil der Instandsetzungs- und Instandhaltungsaufwand entsprechend hoch war. Auch erwiesen sich Dächer und Regenrinnen oft als das Hauptproblem bei (auf Jahre) durchnässten Außenwänden der Gebäude, die auch die beste Wehrmachtskaserne nicht überlebt, wenn jahrelang Wasser an den Wänden herunterläuft.
Die Kommandeure konnten bei den damals vorhandenen Wehrpflichtmodellen, die auch für die einzelnen Kommandeure rund alle 2-3 Jahre eine Versetzung in eine neue Verwendung bedeuteten, wenig daran ändern. Die meisten Quartiersdienste waren zu schwach und verfügten auch nicht über das Fachpersonal als Dachdecker oder im Betrieb der Kasernen, weil dies in Wehrpflichtigen-Armeen in den Strukturen weder vorgesehen, noch in der Praxis personell hinterlegt war.
Natürlich gab es in der DDR auch Zivil beschäftigte, Deutsche Mitarbeiter in Kasernen, meist in Großstandorten für die vorhandenen Heizwerke oder auch als Betriebselektriker. In der Masse aber waren es einfache Soldaten aus den Stämmen an Wehrpflichtigen in den Einheiten, die dort die „Instandhaltung“ mit einfachsten Mitteln zu leisten hatten. Oft mit fatalen Folgen.

Von diesen Herangehensweisen, dass die Streitkräfte immense Materielle Mittel kostete (letzten Endes Geld aus dem jeweiligen Verteidigungsetat) wollte man weg, als die Luftstreitkräfte 1954 begannen, für ihre Kasernen, Flugplätze und Sicherstellungsobjekte, eine solche Betriebsrichtlinie zu erstellen und umzusetzen. Gedanke dabei war, wie oben bereits anklang, Fliegertruppenteile, bei denen ja klar war, über welche Struktur sie verfügen und welche fliegerische Hauptkampftechnik sie haben würden, typisierte Objekte zu errichten, die sich aber dennoch in die Landschaft einfügten und einen relativ optimalen Gefechtsdienst ermöglichten. Dabei spielten natürlich die einzelnen Gebäude in den Staffelräumen ebenso eine Rolle, wie Lösungen für die KDP’s, Radarstellungen, gedeckte Arbeitspunkte, Flugzeughallen, Hangars, Werkstätten. Man konnte das so gesehen, als Prinzip auch auf die bodenständigen Truppenteile und Einheiten der LaSK übertragen.
Deshalb finden sich in den Vorschriftenteilen für die LSK, ebenso wie für die Zivilverteidigung oder die Truppen des Innenministeriums eine ganze Anzahl universell verwendbarer, also unifizierter (gleichartig) gestalteter Gebäude, wie Stäbe, Kontrolldurchlasspunkte, Wachgebäude, Lagerobjekte, Munitionshäuser, Tankstellen, Feuerwehrbasen uvm.

Im weiteren Procedere wollen wir uns den Vorgaben bei den LaSK widmen, weil die 25. PD ein Verband der Landstreitkräfte war.
Auch an dieser Stelle galt die Regel, dass die in der Division handelnden Truppenteile und Einheiten, eine relativ feste Grundstruktur für die jeweilige Waffengattung hatten. Das bedeutete in der Praxis, dass ein Mot.-Schützenbataillon der Panzerdivision am Standort „X“ eine fast identische Struktur haben konnte wie am Standort „Y“. Vorausgesetzt, man verfügte über die gleiche Ausrüstung und Kampftechnik. Gerade in Zeiten der schrittweisen Zuführung neuer oder anderer Kampftechnik in den voll aufgefüllten Linieneinheiten, gab es durchaus personelle und technische Unterschiede. Zum Beispiel verfügte natürlich ein T-80 Kampfpanzer über eine ganz andere Wartungstechnologie und Wartungsschwerpunkte der Antriebe oder der Feuerleitanlage, als ein Panzerbtl. mit Hauptkampftechnik T-72.
Solche Feinheiten konnte man in den Typbauten natürlich nur schwer fassen und einer Lösung zuführen, zumal sich beim Bau der Kasernen, mit einer Laufzeit von 25-40 Jahren nur schwer voraussagen lässt, welche Besonderheiten in 15 Jahren die Hauptkampftechnik haben würde. Das ließ sich nur an mit adaptierten Typobjekten, die nah an der Zuführungszeitschiene festhielten erreichen. Das traf aber auf andere Waffengattungen auch zu, die Abmaße verschiedener Schiffsgenerationen und Schiffstypen waren natürlich nicht dazu geeignet, jede Anlagemöglichkeit unifiziert zu erreichten. Aber darum ging es in dem Material auch gar nicht, hier waren Schwerpunkt die Masse anderer Gebäude die zu errichten waren und bei denen man die Nutzung vorhersagen konnte. Der Kfz-Bestand eines Transport-Btl. Zum Beispiel war Ausgangspunkt für die Projektierung der notwendigen Stellflächen, die große und Leistungsfähigkeit der Waschplätze oder Waschstraßen, der Leistungsfähigkeit der Kfz und Reifenwerkstatt oder der Tankstelle mit angeschlossenem Betriebsstofflager und Ölabscheider.

Die Konstruktionsvorschrift teilte sich in insgesamt 10 Kapitel, jeweils mit einigen Erläuterungen zum Betrieb, zur Versorgung, Beheizung:

  • Kasernen verschiedener Größe (infolge unterzubringenden Personalbestands)

  • Militärische Lebensmitteleinrichtungen Verpflegungsobjekte, auch Soldatenspeisesäle, Offiziersspeisesäle, Unteroffiziere-, Fähnriche- und Speisesäle für Kursanten, Kaffees, Teestuben, Lebensmittelverkaufsstellen und Buffet

  • Klubräume, Klubhäuser, Kinos, Kulturveranstaltungsgebäude

  • Med.-Punkte, sst. Med.-Bataillone, Epidemisch-sanitäre Einrichtungen, Schwerpunktversorgungseinrichtungen

  • Stabs- und Administrationsgebäude

  • Wachgebäude, Hauptwachen, Zutritts- und Ausweiskontrollpunkte (KPP)

Gebäude und Einrichtungen der Parkzonen (für Technik und Bewaffnung) mit folgenden Einrichtungen:

PPS Cham  (ППЧМ) Пункт Предварительной Чистки Машин (Vorreinigungszone für Technik, auf Militärdeutsch: Vorwaschplatz für Technik, auch gepanzerte Technik)

KTP = Kontrolltechnischer Punkt zur Überprüfung der Einsatzbereitschaft der Fahrtzeuge (Контрольно-технический Пункт)

PSe (Пункт Заправки) – Betankungspunkt / Tankstelle, meist in der Einheit mit einem Waschplatz für leichte Kfz-Wäsche, mit Rampe und der technischen Kontrolle des Fahrzeugs vor dem Abstellen,

Пункт Чистки и мойки Машин (ПЧМ) – Wasch und Reinigungsplatz (Handwäsche, Scheiben, Türen, Trittbretter)

Пункт ежедневного технического ослуживания (ПЕТО) Punkt für die täglich technische Wartung (Scheibenwischwasser, Luftdruck, Hupe, Licht, Bremsflüssigkeit, Bremsdruck, Akku)

Пункт технического ослуживания и ремонта (ПТОР) Punkt der technischen Wartung und Reparatur (meist diensthabender Schlosser oder Kfz Wart)

Акумулаторно- зарадная Станция (АЗС) Akkumulatoren-Ladestation

Водогрейка (ВГ) (Wasseraufbereitung, Warmwasser, Brauchwasser, dest. Wasser)

Склады ЗИП (Lager für Ersatzteile Werkzeug Zubehör)

Вытовые помещения (Arbeitsbüros der Werkstätten, des Ladewartes, der Diensthabenden etc.)


 

  • Gebäude für Sauna, Wäscherei(en), chemische Reinigung, Soldatennäherei, Schuhmacher, Dienstleistungen und allgemeine Dinge

  • Lager für militärische Ausrüstung, Bekleidung, allgemeine Dinge, Produktenlager,

  • Ausbildungsgebäude und Lehrklassen für die Militärangehörigen [1], [2], [3]

Beispielbilder für Konstruktionsnormativen:

Stand: 20.03.2020


Quelle: [1] P. Rentsch, [2] Bilanzierungen des Verteidigungsministeriums der sowj. SK, [3] Bau u. Projektierungsrichtlinien der Sonderbaustäbe des VM