Heimatgalerie - Projektierung und Bau von Militärstädten der CA - Prolog Lagernormativen

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Projektierung und Bau von Militärstädten der CA - Prolog Lagernormativen

Kasernen- und Lagernormative, Hintergründe der Entwicklungen (Stand 1973)

Um die Entwicklungen nach dem 2. Weltkrieg besser einordnen zu können, ist es angebracht, sich gedanklich, zeitlich, administrativ und organisatorisch in diese Zeit zu begeben.

Die Sowjetunion als Hauptträger der Lasten im Großen Vaterländischen Krieg begann ab Ende 1945 und im Jahr 1946 mit der Rückführung erheblicher Teile seiner, in vielen europäischen Staaten stehenden Streitkräfte.

In den Kasernen im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands, inklusive der westlichen Teile Polens, verblieben die Besatzungsstreitkräfte in der Masse natürlich in den Kasernen und Objekten, die dort vorhanden waren und nutzte die Anlagen und Infrastrukturen, die in oder in der Nähe der Stationierungsorte vorhanden waren. Diese Infrastrukturen, bestehend aus Kasernen, Anlagen, Verpflegungs- und Produkten,- Munitions- und Betriebsstofflagern und deren Lieferinfrastruktur, also Straßen, Straßenanbindungen, Liefergleise und Wagenübergabestellen, befanden sich nicht in dem politisch administrativen Teil, wie er nach dem Beginn des Kalten Krieges örtlich gebraucht worden wäre, sondern nach den Grundsätzen der Vorbereitung und folgenden Kriegsgliederung der Deutschen Wehrmacht und ihrer Teilstreitkräfte. Somit befanden sich große Truppenübungsplätze eben im Westteil Polens, weil diese Gebietszone früher die östliche vorgelagerte Zone des Deutschen Reiches vor 1939 bildete. Daher musste die Masse der Truppenübungsplätze, wie auch der notwendigen Infrastruktur an diesen, im Bereich der DDR zum Teil erst neu erschlossen werden. Die Nachnutzung vorhandener Kasernen war für die Stationierungsstreitkraft ein Glücksfall, weil die notwendigen Investitionen somit entfallen konnten, aber die Umstände der Nachnutzung zwangen damit auch zur Nutzung von Kasernen im Innenstadt und Randstadtbereich, zur Nutzung besonders in die Jahre gekommener Anlagen, zur Nutzung von Gebäuden, mit einem Nutzungsgrund jenseits moderner Streitkräfteinfrastruktur (Pferdeställe, Heulager, unbeheizte Ställe).
Dies waren in der Masse Wilhelminische Kasernen (Kaiserzeit), wie auch Komplexe, die in der Zeit der Reichswehr errichtet wurden oder aber Neubaukomplexe nach den Streitkräftestationierungs-schwerpunkten der Reichswehr, später der Deutschen Wehrmacht.

Insofern ergab sich ein sehr breites Spektrum an nutzbaren Anlagen, die nicht immer problemfrei verlief. Zwar waren die Kasernen der Kaiserzeit (1890- 1918) von der Unterbringung der Mannschaften durchaus geeignet, hatten aber etliche Nachteile, wie begrenzte Deckenlasten der Zimmer, Ofenheizungen, breite Flure bei denen die persönliche Bewaffnung (Karabiner 98k) noch in den Waffennischen der Flure stand. Wesentlich besser für die Truppenunterbringung geeignet waren Kasernen aus der Zeit der der Wehrmachtshochrüstung, also 1933- 1939. Allerdings muss man auch wissen, dass die den Kasernen angegliederten Lager, Abstellplätze, Technikhallen, Werkstätten etc. nur kurze Zeit optimale Bedingungen boten. Das hatte mehrere Ursachen, zum einen waren die Platzverhältnisse, die Decken und Bodenlasten so projektiert, dass sie dem Nutzungszweck in der Bauzeit erfüllten. Das waren aber in der Zeit bis zum 2. Weltkrieg, in der Hauptbewaffnung zum Teil für die gezogene Artillerie noch Pferde als Zugmittel, wie auch bei der Artillerie, die zum Teil erst aufwendig auf- und abgeprotzt werden mussten.
Die Gehöfte, die Abmaße der Unterstellhallen, Einfahrtbreiten und Einfahrthöhen, unbeheizte Hallen und Gebäude, waren eben für die Kriegführung im Maßstab des vorletzten Jahrhunderts bis zum 1. Weltkrieg angelegt. Das hatte baulich und nutzungstechnisch für die Weiternutzung nach dem 2. Weltkrieg, weitreichende Folgen. Hier passt der Hinweis, bei der Beurteilung einiger Objekte der GSSD in der ehem. DDR Sorgfalt walten zu lassen und die historischen Wurzeln der jeweiligen Objekte und/oder Standorte vor der Wertung zu betrachten. Oftmals waren diese dann eben, auch aus Kostengründen, in ihrem Zustand belassen worden, wenn sie den Normativen entsprachen und somit praktikabel waren.  
In der Regel mussten für die Technik der neuzeitlichen Armeen, schon auf Grund der Abmaße der Hauptkampftechnik, neue Hallenkomplexe und Lager errichtet werden. In den Kasernen der Wehrmacht, aber auch in den Lagern der Sicherstellung und rückwärtigen Dienste, waren die Gegebenheiten der Deutschen Wehrmacht maßgeblich. Hier waren Lagerhallen für Technik, Ausrüstung und Bewaffnung schon ganz anders projektiert worden, verfügten zum Teil über beheizbare Abschnitte und hatten vor allem auf den Hallenvorfeldflächen genügend Platz für Ausfahrten und Wendemanöver bei Alarmierung, wie auch ausreichende Bodenbeläge für schwerere Technik, eine Kanalisation und den baulichen Torschutz an den Halleneinfahrten. Die Abmaße entsprachen, außer für kettenbetriebene Sonder-Kfz., in der Masse den Abmaßen an Fahrzeugen, die die deutsche Wehrmacht von 1939 bis 1945 im Einsatz hatte (3,5to- 7,5to).

Dass dieser technologische Meilenstein schnell aufgebraucht werden würde, nachdem Tankwagen mit langem Sattelauflieger, Artillerieschlepper, Pioniermaschinen, Rampen der Raketentruppen und Geschosswerfer in breiter Masse eingeführt wurden, war nicht planbar. Daher waren dann alle nutzbaren Hallen für die Lagerung der Bekleidung, der Technik, der Bewaffnung und Munition, ziemlich sicher den Nutzungskonzepten aus früherer Zeit angepasst und das waren alles Gebäudeansammlungen mit dem Hintergrund kavalleristischer- oder infanteristischer Hauptnutzung.

Mit der Verfügbarkeit eines nuklearen Druckmittels, seitens der US- Amerikaner ab 1945 und dem darauf folgenden Wettrüsten, bzw. einer ganz neuen Bedrohungslage für die UdSSR, wurden alle wissenschaftlich- technischen Kapazitäten herangezogen, um dieses politische und waffentechnische Monopol zu brechen, was 1949 gelang. Im Zusammenhang mit dem Einzug neuster wissenschaftlich/technischer Erkenntnisse aus erbeuteten Waffen, technologischen Abläufen und Dokumenten im 2. WK , kam es danach auf breiter Linie, zur massenhaften Einführung von modernen Panzern, Selbstfahrartillerielafetten, Artilleriesystemen und der Geburt einer neuen Waffengattung, den strategischen Raketentruppen, deren Hauptbewaffnung bis Ende der 50’er Jahre aus Lafetten basierten, ballistischen Boden-Boden Raketen bestand.

Mit der Ausgliederung der ballistischen Raketen taktischer und operativer Bestimmung (Reichweiten 30- 180km) aus den RWSN und der Unterstellung unter das Kommando der Teilstreitkraft Landstreitkräfte (LaSK), kam es zu einer Aufwertung der Hauptverwaltung Artillerie zur neu geschaffenen Hauptverwaltung Raketentruppen- und Artillerie. Neben den dann zur Verfügung stehenden ballistischen Raketen im Interesse der handelnden LaSK, war eine breite Umwälzung der gesamten Militärtechnik zu verzeichnen, die in den LaSK vor allem die Artillerie (gezogene, wie auch selbstfahrende Systeme [SFL]), aber auch die reaktiven Waffensysteme (Geschosswerfer) großen Kalibers und Reichweite, auf dem taktischen Gefechtsfeld betraf.
Hinzu kamen auch die notwendigen Transport- oder Schleppfahrzeuge, egal ob auf Rad-Basis oder als Kettenzugmittel. Es bestand also schon Mitte der 50’er Jahre massiver Handlungsbedarf, was die Baulichen, sicherstellenden, administrativen und organisatorischen Prozesse zur Unterbringung, Lagerung und zum Betrieb der Kampftechnik, aber auch des Personals und der Reserven an Munition betraf. Während man vorhandene Lagerbunker aus dem 2. Weltkrieg für die normale Schützenmunition und zum Teil auch kleinkalibrige Schützenbewaffnung der SPW und Panzer MG zu nutzen wusste, brachte das Lagerregime für Geschosswerfergranaten, Pioniermunition und andere, sprengkräftige Mittel erhebliche Probleme mit sich. Zum Teil ergab sich bei der Lagerung auch die Notwendigkeit, die Reserven der 3. und 4. Kampfsätze bereits auf den Transportfahrzeugen verlastet, in den Unterstellmöglichkeiten abzustellen. Dort standen die Fahrzeuge meist auf Stempeln, um die Achsen und Fahrzeugfedern zu schonen.
Besondere Anforderungen ergaben sich auch aus den neu definierten Bedingungen der HV Raketentruppen- und Artillerie, die natürlich schon aus Kosten- und Verfügbarkeitsgesichtspunkten ihre Reserven, gesichert nach vorgegebenen Temperatur- und Feuchtigkeitsregime lagern mussten und das möglichst zentral, sollte es zum Einsatz oder zur Verlegung kommen. Zudem bestanden umfangreiche Vorgaben, was die Kontrolle, die technische Revision und die Nachweisführung dieser Systeme und Bewaffnungsarten betraf. Zum Teil mussten Träger für die RTA in gesondert hermetisierten, feuchtigkeitsabweisenden Containern gelagert werden, was Einfluss auf die Hebe- und Lagerlogistik (Hallenhöhe, Kranbahnen) hatte.

Schon diese wenigen Beispiele zeigen, dass es erheblichen Handlungsbedarf an kostengünstigen, und beheizbaren Gebäuden, Lagerhallen und Bunkern gab.

Die erste Vorschrift zu diesen Fragen, stammt im Bereich LaSK aus dem Jahr 1953 und hatte die (damals) neuen Lagerumfeldbedingungen für reaktive Waffen (also Geschosswerfer) der Artillerie zum Inhalt. Hier ging es neben so wichtigen Faktoren, wie Lagerregime, Stapelhöhen, Blitzschutz, Sicherheitsabstände, vor allem auch um die Möglichkeiten einer machbaren Lagerlogistik (Einbringen, Ausgabe, Stapeln, Transportieren, Umlagern) für die Munition und deren Komponenten (Kisten, Behältnisse, Gitterboxen, Container) aber auch um die dann zu realisierenden Abmaße (Hallenlängen, Hallenbreiten, Anzahl der Zufahrten, Gestaltung der Tore, Elektronetzgestaltung, Entlüftung, Belüftung, Beheizung, Revision der gelagerten Mengen).

Für die Realisierung in den höchst unterschiedlichen Stationierungsgebieten (Klima, Feuchtigkeit, Kälteschwankungen) gab es in der Anfangszeit verschiedene Denkansätze in der Realisierung, zumal auch alle Fragen des Brandschutzes, Blitzschutzes, der Abwehr von Explosivwirkungen (Umwallung und Übererdung), der Tarnung und des Sichtschutzes, bin hin zu Überlegungen, einzelne Lagerbereiche tiefer als das allgemeine Geländemaß zu realisieren, um einer direkte Waffenwirkung aus dem Umfeld entgegen zu wirken. Zudem war natürlich auch ein Optimal maß zwischen aufgelockerter Hallen- oder Bunkerbauweise und flächenmäßig möglicher Minimierung des Bewachungsaufwandes zu finden.

Für die Lagerung der sensitiven Technik im Bereich Raketentruppen-Artillerie (RTA), aber auch Truppenluftabwehr und Fla-Raketentruppen, wurden verschiedene Lagerbauten entwickelt, pro-jektiert und gebaut, die sich in der Truppenpraxis unterschiedlich, über die Standzeit der Garagen bewährten.
Die in den ML über lange Zeit noch genutzten Holzhütten verschwanden an einigen Standorten, Verteiler-Munitionshäuser und die gesamte Munitionslagerlogistik musste angepasst werden, weil die neuen Waffensysteme nicht nur Munition größerer Kaliber und damit größeren Gewichts, sondern auch anderer Verpackungsarten und Verpackungsgrößen bedingten. Hinzu kamen später auch die organisatorischen Abläufe bei hülsenfreien Geschossen, verschiedenartigsten Füllungen der Granaten und deren Zünder- und Sicherungsmechanismen. Schlussendlich waren auch Fragen der notwendigen Wälzung der Munition in den Lagerabschnitte zu beachten, die auch zu einem gewollten Verschuß zu Übungszwecken führte, um die Vorräte kontrolliert abzubauen und durch neue Lagerbestände zu ergänzen (ohne abgereichertes Uran).

Für die später in allen möglichen Lagervarianten genutzten Gebäude, gab es vier grundsätzliche Lagervarianten:


  • Freiflächenlagerung, meist auf Bodenplane, Munitionskisten gestapelt, manchmal abgedeckt mit Planen oder Wellblechelementen

  • Lagerung von Munition unter Schleppdächern, umwallt, meist Konstruktionen aus Winkelstahlträgern mit Wellblechbelegung oder Asbestplatten als witterungsminimierende Dachlösung

  • Nutzung von gemauerten Hallen mit verschiedenen Dachlösungen (Wellblech, Wellasbest, Dachkassettendecke) mit Holzträgern oder stahlbetonbasierten Dachbindern

  • moderne, stahlbetonbasierte Plattenhallenlösungen mit Dachkassettenlösungen oder auf Stahlbetonelementen basierenden Dachplatten in monolithischer oder Rundlochform, auch mit verschiedenen Dachflächenneigungen oder Flachdach


Für die Lösungen der oben genannten kurzen Aufzählung gab es verschiedene sowjetische Lösungsansätze für Objekte im Heimatland und anfangs auch für Objekte in den Stationierungsländern. Später setzte man, schon auf Grund des erforderlichen Transportraumes per Schiff oder LKW oder beim Bahntransport, eher auf territoriale Lösungen aus dem Stationierungsland. Diese Variante, nämlich die Nutzung von vorgefertigten Elementeanlagen oder abgestimmten Baukastensystemen, erfolgte auch, wenn auf Grund hoher Geheimhaltung oder hohen Zeitdrucks für die Gesamtinbetriebnahme, ein Antransport aus dem Heimatland nicht möglich oder zu zeitintensiv war.

Für die Gruppe der sowjetischen Streitkräfte war dies mehrmals zeitlich der Fall, als man auf breiter Basis, auf DDR-Ergebnislösungen im Hallen- und Anlagenbau setzen musste. Dies war der Fall ab 1979, als die Probleme mit und in der VR Polen zu erheblichen Transporteinschränkungen im Eisenbahnverkehr, der mangelhaften Gestellung von Transportraum, wie auch dem hohen Bedarf an Zugsicherungen dazu führte, dass man verstärkt oder besser gesagt ausschließlich auf DDR Bauteile für die in der DDR stationierten Truppen setzte. Und das ergab sich etwas später zeitlich nochmals, als die Gruppe der sowjetischen Streitkräfte, wie auch die NVA, innerhalb kürzester Zeit, verschiedene Bauvorhaben der Stationierung, der Lagerung, der Unterbringung und der materiell-technischen, treibstoffmäßigen und nachrichtentechnischen Unterbringung, Versorgung und Sicherstellung, von Mannschaften und Technik, im Rahmen der gemeinsamen Operation (Sicherungskomplex ANTWORT) zu realisieren hatten.

Für den Zeitrahmen dieser baulichen Umwälzungen war in der Hauptkonsequenz der NATO-Doppelbeschluss 1979, verantwortlich, die gegenseitig zu erbringenden baulichen und stationierungsrelevanten Fragen wurden in Regierungsabkommen mit entsprechenden Anlagen paraphiert. In der Vergangenheit gab es Veröffentlichungen zu dem Thema, wonach die Bautätigkeiten zur Unterbringung von Technik und Personal der Beweglichen Raketentechnischen Basen, als „Versteckübung für Atomwaffen“ Die seit Jahren vorliegenden Detailunterlagen zu diesen baulichen, organisatorischen und lagertechnischen Aktionen in diesen Jahren, zeichnen vor allem zu den Standorten, zum Umfang der Arbeiten und zum Ziel der Teilarbeiten, ein ganz anders Bild zu diesen Abläufen. Das „Versteckspiel“ war zwar als Mitnahmeeffekt gewollt, hatte aber ansonsten eine völlig andere Zielsetzung. Im Sicherungskomplex „ANTWORT“ wurden alle, aus Sicht der militärischen Führungen der Teilnehmerstaaten des WV, erforderlich angesehenen Maßnahmen, baulicher, versorgungtechnischer und stationierungsorganisatorischer Art gebündelt, die im Ergebnis der Stationierung von weitreichenden, Waffensystemen strategischer Reichweite, im Rahmen des NATO Doppelbeschlusses zu erwarten und als Zweitschritt der WVO, geplant waren.

Im weiteren Vorgehen widmen sich die Erläuterungen den Besonderheiten verschiedener Lager und Lagerkonzepte für die Großstandorte und Verbände, welche mit Abstrichen (Größe, bauliche Gestaltung, verkehrstechnische Anbindung) auch auf kleinere Objekte und Standorte übertragen oder projiziert werden können. [1]

Stand: 19.04.2020


Quelle: [1] Übersetzung/Beratung: P. Rentsch, Formulierung: Heimatgalerie