Heimatgalerie - 22 Juni 1941

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22 Juni 1941

Weisung Nr. 21 (Fall Barbarossa) ab 22. Juni 1941

(Ein großer Dank geht an Herrn Rentsch für Textausarbeitung und die Zuarbeit!)

Der Überfall auf die Sowjetunion war seit Mitte 1940 Bestandteil der Planungen des OKW. Seit dem 31. Juli 1940 war dem OKW bewusst, dass es nach dem „siegreichen“ Feldzug gegen Frankreich mit einem großen Kräfteansatz gegen die Sowjetunion, also in Richtung Osten gehen sollte.

Am 18. Dezember 1940 erging mit der Weisung Nr. 21 an das OKW, der militärisch/rechtliche Rahmen, um mit den Planungen des Angriffs auf die Sowjetunion zu beginnen. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion, ab 22. Juni 1941, war (obwohl das niemand vorausahnen konnte) ein gewaltiger Mehrfrontenkrieg entfesselt worden, dessen Ende das Ende Nazideutschlands und seiner Wehrmacht stehen sollte. Hitler war im Juli 1940 der irrigen Ansicht, dass Großbritannien friedlich beigeben würde, wenn er und seine Wehrmacht erst in Frankreich gesiegt hätte, sodass er sich nach dem Sieg in Frankreich ganz dem Osten widmen könne. Das war aber, wie man heute weiß, ein erheblicher Trugschluss den weder Großbritannien gab klein bei, nein sogar die Vereinigten Staaten waren in den Krieg gegen Nazi Deutschland und seine Verbündeten, am 11. Dezember 1941 eingetreten.

Der Originaltext "Weisung Nr. 21 (Fall Barbarossa)" vom 18. Dezember 1940 [6]


Am 21. Juli 1940 referierte Hitler gegenüber den beteiligten Oberbefehlshabern aller Teilstreitkräfte, dass England den Krieg gegen Deutschland, in der Hoffnung auf ein Bündnis mit der Sowjetunion und den USA fortsetze. Deshalb solle das OKH planerisch das „russische Problem in Angriff nehmen“ und dafür „gedankliche Vorbereitungen treffen“. Walther von Brauchitsch (Oberbefehlshaber des Heers, ab 1941 Generalfeldmarschall) trug Hitler einen Halder, einen schon in Grundzügen vorhandenen Plan vor. Die Ansicht zu diesem Zeitpunkt war, man könne die Rote Armee (der Sowjetunion) in 4-6- Wochen mit 80 bis 100 deutschen Divisionen schlagen. Zudem wollte man die sowjetische Angriffsfähigkeit zerstören. Ziel war es, die Ukraine, das Baltikum und Finnland unter deutsche Kontrolle zu bringen. Man war nach Meldungen der deutschen militärischen Aufklärung (Fremde Heere Ost) der Auffassung, die Sowjetunion habe 50 bis 75 „gute“ Divisionen. Man müsse räumlich so weit in die Tiefe gehen, dass feindliche Luftangriffe der Sowjetunion gegen die Reichshauptstadt und die schlesischen Industriegebiete unmöglich werden würden. [1] Wilhelm Keitel (bis 1945 Chef OKW) und Alfred Jodl (Chef des Wehrmachtführungsstabes im OKW) überzeugten Hitler aber, dass ein Aufmarsch für einen Angriff auf die Sowjetunion mindestens vier Monate Zeit brauche und dieser deshalb im Herbst 1940 noch nicht durchführbar sei. Was die tatsächlichen Kräfteverhältnisse und Ausstattung an Material, Personal und Kampfkraft der sowjetischen Divisionen betraf, lag das OKW und sein Aufklärungsdienst FHO in einigen Fällen daneben. Dass die Rote Armee dennoch beim Überfall auf die Sowjetunion tragisch versagte, muss man aus heutiger Sicht sicher dem völligen Versagen von Josef Stalin zurechnen, der neben Säuberungsaktionen an tausenden Offizieren und Generalen in den Jahren vor 1941 seinen Bestand an Truppenführern und Befehlshabern stark reduziert hatte und fest an die Regelungen des Deutsch-Russischen Nichtangriffspaktes glaubte und auch unfähig war, ernstzunehmende Hinweise (Dr. Sorge meldet aus Tokio) zu Deutschen Angriffsabsichten überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Daher waren die Möglichkeiten der sowjetischen Verteidiger, bis auf die in den befestigten Regionen, statisch gebundenen Festungsverteidigungskräfte, eher als sehr schwach zu bewerten.

Die Autoren wollen, diese wenigen begleitenden Gesichtspunkte nutzen, um im Gedenken an den 22. Juni 1941 innezuhalten und im Weiteren einige zentrale Gesichtspunkte zur 25. Panzerdivision/25-ю танковую дивизию) ab dem 22. Juni 1941 beleuchten.

Die 25. Panzerdivision (25.PD) war schon vor dem 22. Juni 1941 ein Verband der Westfront (der UdSSR). Der Stab der Westfront befand sich zu diesem Zeitpunkt in Minsk. Die 25.PD hatte im Vergleich zu der später im 2. Weltkrieg in der 2 und 3. Welle „neu“ aufgestellten PK, nicht viel zu tun, weil das 25.PD in den Verteidigungsoperationen der Westfront im Juni/Juli 1941 zu großen Teilen zerschlagen wurde. Ihren Ursprung in der Historie hatte die 25.PD allerdings im Rahmen der Verteidigungsoperationen schon, auch wenn sie angesichts der gewaltigen, militärischen und versorgungstechnischen Überlegenheit der angetretenen 3 Heeresgruppen der Wehrmacht, in nur 14 Tagen unterging. Truppen die sich in befestigten Regionen befanden (wie zum Beispiel der Festung Brest) hielten dem Angriffsdruck der Deutschen wesentlich länger stand.

Bild 1 zeigt die Haupthandlungsrichtungen der Wehrmacht vom 22. Juni 1941 bis 25. Juni 1941 [5]


Die 25.PD handelte im Bestand des 13. mechanisierten Korps (gelber Kreis im Bild 1). Sie befand sich gerade in der Umstrukturierung bzw. auch in der Zuführung neuerer Panzer, ansonsten besaß diese Division nur leichte Panzer und mit Blechen verstärkte/geschützte LKW als Ersatzlösung für Schützenpanzerwagen, die die Division noch nicht zugeführt bekommen hatte. Die nicht vorhandenen schweren, wie auch mittleren Panzer, in den zur Verteidigung übergegangenen Verbänden der Westfront machten es dem Gegner leicht, schnelle und tiefe Einschnitte, in nur 2 Tagen, in die Verteidigungslinien zu schlagen. Guderians Panzertaktik und die Handlungen der beteiligten deutschen Truppen (9. dt. Armee, 4. dt. Armee, 2. Panzergruppe [später zur eigenständigen 2. Pz A aufgewertet]) und 3. Panzergruppe (später zur 3. Pz A. aufgewertet) gingen voll auf.

Bild 2 zeigt die tiefen Geländegewinne und die Hauptrichtungen der Angriffskeile auf Minsk und in Richtung Bobruisk (25.6. 1941- 28. 6. 1945) [5]


Der genaue Vergleich der handelnden Truppen nach Zahlen kämpfender Soldaten (Truppenstärken), vorhandener Militärtechnik, Anzahlen an Geschützen, Flugzeugen etc. stellt sich als äußerst schwierig heraus, weil alle beteiligten Seiten vermutlich bestimmte Zusammenhänge weglassen, schönfärben und vor allem belastbare Angaben zu Kampfeigenschaften der 1941 eingesetzten Technik in der Masse fehlen oder bei Bewertungen keine Berücksichtigung fanden. Strukturell bestanden große Unterschiede zwischen einer Front der sowjetischen Armee und einer Heeresgruppe, die im fremden Gebiet handelnd eine ganze Reihe wichtiger sst. Einheiten und TT im Bestand haben musste, um fern der Heimat in fremden Ländern zu handeln. Dieses Strukturproblem erkannten die sowjetischen Streitkräfte später bei ihren Vormärschen in Richtung West auch und „verankerten“ diesen Umstand im Titel, als „selbständig“ im Namen der TT. Dennoch hat 2013 ein statistisches Untersuchungsprojekt versucht, einige Vergleichszahlen zu ermitteln. Sie sollen unkommentiert im Raum stehend verbleiben, weil genauere Angaben zum Entstehen der Zahlenwert nicht gemacht wurden.

Deutsche Truppen (S=Soldaten, F=Fahrzeuge, Fl=Flugzeuge, Pz=Panzer, G=Geschütze):
Heeresgruppe NORD 699.000 (S), 122.700 (F), 679 (Fl), 770 (Pz), 3.986 (G)
Heeresgruppe MITTE 1.297.000 (S), 241.800 (f), 1.468 (Fl), 2.559 (Pz), 1.764 (G)
Heeresgruppe SÜD 998.000 (S), 171.500 (F), 969 (Fl), 962 (Pz), 5.662 (G)

Soldaten: 2.994.000

Sowjetische Truppen (S=Soldaten, F=Fahrzeuge, Fl=Flugzeuge, Pz=Panzer, G=Geschütze):
Leningrader Militärbezirk 404.470 (S), 28.759 (F), 2.159 (Fl), 1.857 (Pz), 2.996 (G)
Baltischer Militärbezirk 369.702 (S), 19.111 (F), 1.262 (Fl), 1.551 (Pz), 3.607 (G)
Militärbezirk West (ЗФ) 671.165 (S), 35.102 (F), 1.171 (Fl), 2.958 (Pz), 6.437 (G)
Militärbezirk Kiew 907.046 (S), 49.030 (F), 2.059 (Fl), 5.465 (Pz), 7.784 (G)
Militärbezirk Odessa 339.291 (S), 15.041 (F), 1.685 (Fl), 1.011 (Pz), 2.809 (G)

Soldaten: 2.691.674

Bild 3 zeigt den Verteidigungsstreifen der 25.PD am 22.6. 1941 (roter Kreis)

(Quellen: [1] Franz Halder: Kriegstagebuch, Band II, S. 32, [2] Walter Warlimont: Im Hauptquartier der deutschen Wehrmacht 1939–1945, [3] Man geht heute von ca. 55.000 verurteilter u. zum Teil hingerichteter Offiziere u. Generale aus, [4] Statista Research Department, [5] https://pamyat-naroda.ru/ZAMO Bestand 500, [6] https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/der-zweite-weltkrieg/203046/fall-barbarossa)

Die militärischen Operationen ab dem 22. Juni 1941, werden als Kesselschlacht bei Białystok und Minsk bezeichnet. Ziel war es, die Verteidigungskräfte der Westfront in der gesamten Breite der Haupthandlungsrichtungen (Moskau, Smolensk, Kiew) zu schlagen und wenn dies nicht im direkten Angriff gelang, die Verteidigungslinien zu durchbrechen, die gegnerischen Truppen zu umgehen, einzukesseln und dann einzeln zu zerschlagen bzw. zu vernichten.

Haupthandlungsgegner war die deutsche Heeresgruppe Mitte auf der Seite der Angreifer und die sowjetische Westfront unter dem Befehl von Armeegeneral Dimitri Grigorjewitsch Pawlow, auf der Seite der Verteidiger. Große Teile der Westfront wurden von den deutschen Truppen erstaunlich schnell gelähmt und zerschlagen, geringe Teile konnten sich absetzen und die umkämpften Gebiete wurden danach aufgegeben. Nach der Zerschlagung der Westfront war das nächste Ziel der deutschen Angriffskräfte Smolensk. In den befestigten Gebieten (УР) wurde noch bis 9. Juli erbittert gekämpft, was deutsche Truppen band, da diese natürlich keine kampffähigen, gegnerischen Truppen in ihrem rückwärtigen Gebiet gebrauchen konnten. Die am 22.6.1941 im Raum Białystok handelnde 10. Armee, mit dem 13. mK und der 25.PD wurde innerhalb weniger Tage zerschlagen, Reste der Armee setzten sich aber vor der Einkesselung durch die 4. dt. Armee noch ins Hinterland ab. In der Regel wurden solche Verbände und Vereinigungen nach der Zerschlagung aufgelöst, die noch handlungsfähigen Reste der Truppen neu zusammengefasst und anderen Armeen oder Divisionen unterstellt. In einigen Fällen kam es auch vor, dass der Verband (die Division) oder die operative Vereinigung (die Armee) später im Verlaufe des Krieges neu aufgestellt wurden und wieder in das Geschehen, aber mit meist neuem Führungspersonal, eingriff.

Im Fall der 25.PD, die zu dem Zeitpunkt eher eine Division der Panzerwagen, denn eine Panzerdivision mit Schlagkraft war, war dies deutlich zu erkennen. Die Division lebte im Entfaltungsraum vom 22.6.1941 bis 04.07.1941. Danach galt sie als handlungsunfähig, weil in der Masse zerschlagen und aufgerieben. Einzelne TT der Division blieben erhalten. Das traf auch auf eine ganze Reihe weiterer Truppenteile und Verbände des 13. Mechanisierten Korps und der 10. Armee zu. Man hatte auf sowjetischer Seite viel zu spät erkannt, welche gewaltige Militärmaschinerie an der sowjetischen Westgrenze den Aufmarsch und die Entfaltung beendete. Man hatte erst am 13. Juni 1941 (!) begonnen, einen Großteil der sowjetischen Divisionen, aufgeteilt in 4 Frontabschnitte mobil (Mobilmachung für den Verteidigungszustand) zu machen und an die Grenze zu verlegen. Dieser zeitlich viel zu kurze Plan scheiterte, ehe die neuen Divisionen überhaupt in Bereitschaft waren, von einem massenhaften Antransport an die Westgrenze ganz zu schweigen. Es sollten dazu 30% der kämpfenden Truppen erst aus dem Landesinneren herangeführt werden, da war eine Woche als Zeitfaktor ganz erheblich zu kurz gedacht. Die kräftemäßig und technisch völlig veralteten Luftstreitkräfte sollten erst im Verlaufe von Kampfhandlungen aufgefrischt, modernisiert und ausgerüstet werden.

All diese Maßnahmen erfolgten viel zu spät, einseitig, überstürzt und handlungsmäßig völlig unzureichend. Dies war einer der Gründe, warum es den deutschen Truppen so einfach gelang, die rund 40 Divisionen der Westfront so einfach auszuschalten, so gesehen, zu überrennen.  Die Planungen zu einer Verteidigung der Westgrenze waren in der Sowjetunion aber schon viel früher begonnen worden. Hätte Stalin nicht stur auf eine Einhaltung des Nichtangriffspaktes gehofft, und auf einem militärisch völlig unzureichenden Sichthorizont beharrt, wären vielleicht andere Schwerpunkte gesetzt worden, aber so war es wie mit fast allen Großprojekten, es wurde bis zum letzten Tag ständig geändert, präzisiert und planerisch umgebaut. Und das bei einem „Riesenreich“ das industrielle, verkehrs- und nachrichtentechnisch eher zu den rückständigen Industrienationen in den Weiten der Westgrenze zählte. Auf Grund dieser ständigen Planungsreformen für die handelnden Westfronten (geplant waren 4) handelnd, war dann e i n e Front, wurden die ursprünglichen Mobilmachungspläne nicht mal ansatzweise realisiert.

So war die Festungslinie (Molotow-Linie) unfertig geblieben, nur in 40% der errichteten Schutzbauten für Geschütze/Artillerie, war Bewaffnung eingebaut. Nächstes großes Problem war die Einsatzbereitschaft der verfügbaren Waffensysteme. An schweren Panzern waren nur 13% verfügbar, mittlere Panzer gab es nur 8% in der Auffüllung der Panzerverbände. So gesehen, war die dringend benötigte Verteidigung der Westgrenze und eine massive militärische Operation der Verzögerung, damit weitere Divisionen herangeführt werden könnten, nicht möglich. Es war an allen Ecken und Enden ein Fiasko. Die Staffeln der überhaupt verfügbaren Divisionen konnten ihre Entfaltungsräume nicht schnell genug erreichen, damit war vorprogrammiert, dass diese Truppen schnell den Kontakt zum kämpfenden Nachbar verloren, es offene Flanken gab, durch die der Gegner mit starken Panzerkräften stieß und vor allem die handelnden sowjetischen Truppen vom Nachschub abgeschnitten waren. Der Oberkommandierende der Westfront, Armeegeneral Dimitri Grigorjewitsch Pawlow wurde nach der vernichtenden Niederlage der ihm unterstellten Truppen der Front, in der Kesselschlacht bei Białystok u. Minsk abberufen, von Stalin am 30. Juni 1941 nach Moskau beordert und durch den Erlass des Verteidigungskomitees von 16. Juli 1941 dort am 22. Juli, zusammen mit den Generälen Klimowskich, Grigorjew, Korobkow, Kosobucky, Selichow, Galaktionow sowie den Regimentskommandeuren Kurotschkin und Jelisejew, vor ein Kriegsgericht gestellt und wegen Verrates erschossen. Das Urteil hatte Stalin bereits vor dem Prozess festgelegt.

Die rund drei Millionen Soldaten des deutschen Ostheeres verteilten sich auf ca. 150 Divisionen, darunter befanden sich 20 Panzerdivisionen. Die Verbündeten/Achsenmächte wie z.B. Rumänien, Italien stellten weitere 690.000 Soldaten. Die Truppen waren in 3 Heeresgruppen, mit zusammen 10 Armeeoberkommandos und 4 Panzergruppen (Panzerarmeen) gegliedert. Neben den genannten Waffen, verfügten sie auch über rund 600.000 Kraftfahrzeuge und 625.000 Pferde. In den westlichen Militärbezirken der Sowjetunion standen ihnen 2,9 Millionen Rotarmisten der Sowjetunion gegenüber. [5] Doch statt der 4 geplanten Fronten im Westen, gab es nur die handelnde Westfront mit Stab in Minsk, mit ihren 40 Divisionen (siehe Strukturliste).

Das deutsche Heer im Osten, gliederte sich in die Heeresgruppen:

  • Heeresgruppe Nord (OBH Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter von Leeb) mit der 16. Armee (Generaloberst Ernst Busch), Panzergruppe 4 (ab Januar 1942 4. Panzerarmee, Generaloberst Hoepner) und der 18. Armee (Generaloberst Georg von Küchler)
  • Heeresgruppe Mitte (OBH GFM Fedor von Bock) mit der 4. Armee (GFM Günther von Kluge), Panzergruppe 2 (Generaloberst Heinz Wilhelm Guderian), Panzergruppe 3 (Generaloberst Hermann), 9. Armee (Generaloberst Adolf Strauß) und 2. Armee (Generaloberst Maximilian von Weichs)
  • Heeresgruppe Süd (GFM Gerd von Rundstedt) mit der 17. Armee (General der Infanterie Carl-Heinrich Stülpnagel), Panzergruppe 1 (Generaloberst Ewald von Kleist), 6. Armee (GFM Walter von Reichenau) und der 11. Armee (Generaloberst Eugen von Schobert)
  • aus dem damals bereits besetzten Nordnorwegen und aus Nordfinnland zwei Korps des Armeeoberkommandos Norwegen (Generaloberst Paul Nikolaus von Falkenhorst)

Die Luftwaffe trat mit 4 Luftflotten (Luftarmeen) an, die jeweils im Bereich einer Heeresgruppe agierten, aber ansonsten auch selbständig handelten:

  • Luftflotte 1 (Generaloberst Alfred Keller; Bereich der Heeresgruppe Nord)
  • Luftflotte 2 (GFM Albert Kesselring; Bereich der Heeresgruppe Mitte)
  • Luftflotte 4 (Generaloberst Alexander Löhr; Bereich der Heeresgruppe Süd)
  • Luftflotte 5 (Generaloberst Hans-Jürgen Stumpff; in Nordfinnland u. Nordnorwegen)

Wegen der enormen Massierung der Kräfte und Mittel auf deutscher Seite, war der sich vollziehende Aufmarsch der militärischen Aufklärung nicht verborgen geblieben. Wie schon erläutert, führte das aber im sowjetischen obersten Kommando (Stawka) nicht zu adäquaten und langfristigen Entscheidungen zur schnellen Einnahme der Verteidigungsstellungen und vor allem fehlte eine tiefgestaffelte Verteidigung in mehreren Linien, unter Ausnutzung der natürlichen Gegebenheiten, wie man das zum Beispiel in den Pripjat Sümpfen vorfand. Zudem hatte Hitler im Juni 1941 seine Weisung zum Umgang mit politischen Kommissaren erlassen, bei deren Festnahme jegliche Verfahrensweisen der Haager Konvention zu unterbleiben hatten. Das Ergebnis war in der Masse handelnder deutscher Truppen (bis auf wenige Ausnahmen widersetzten sich die meisten Armee und Heeresgruppenbefehlshaber der Weisung nicht, oder protestierten nur mündlich und leise). Es kam zu den bekannten Massenerschießungen und Morden an tatsächlichen, oder erfundenen Politkommissaren, die in der sowjetischen Truppe, in der Masse als politische Agitatoren unterwegs waren und nur eine Aufgabe besaßen, den politisch moralischen Zustand der Truppe selbst in ausweglosesten Situationen zu betonen u. zu heben. Diese als „Politruks“ = Abkürzung für Politstellvertreter, hatten für die Moral der kämpfenden Truppe eine enorme Wirkung. Diesen Offizieren gewährte man auf deutscher Seite keine Behandlung nach Haager Landkriegsordnung und das war so betrachtet auch ein Verstoß gegen das Völkerrecht, ein Umstand der bei den Nürnberger Prozessen Leuten wie Keitel und Jodl das Leben kostete. Völlig widersinnig war die Regel auf sowjetischer Seite, dass diese Politstellvertreter den verantwortlichen sowjetischen Kommandeuren gleichgestellt waren, so gesehen wuchsen verschiedene Exzesse in den Einheiten und Truppenteilen. Militärische Führung und Verantwortung ist unteilbar und verantwortlich ist einzig und allein der Kraft der Befehle, auf der Planstelle befindliche Kommandeur. Man änderte nach längerem Hin und Her die Gleichstellungspraxis wieder und setzte die bisherigen Unterstellungsverhältnisse wieder in Kraft.

(Quellen: [6] Rolf-Dieter Müller: Der Feind steht im Osten: Hitlers geheime Pläne für einen Krieg gegen die Sowjetunion im Jahr 1939. Christian Links Verlag, 2011, S. 243)

Die Autoren kommen auf die handelnde dt. Heeresgruppe Mitte, gegen die Westfront der Roten Armee zurück. Direkter Gegner der 10. Armee mit dem 13 mK und der 25.PD, war die 4. Deutsche Armee unter dem Befehl von Generalfeldmarschall Günther von Kluge. Das diese Armee befehligende AOK 4 (Armeeoberkommando 4) veränderte im Verlaufe der Gefechtshandlungen und Operationen seinen Entfaltungsraum für das Feldhauptquartier oder den stationären Gefechtsstand natürlich mehrfach, in der Regel war dies auch den wenigen vorhandenen Kabelverbindungen entlang Bahntrassen oder festen Straßen geschuldet, denn jede nicht vorhandene Felddauerleistung musste von Kabelbaueinheiten der Nachrichtentruppen der Wehrmacht, erst gezogen, sprich errichtet und später unterhalten werden. Die Standortverteilung der sowjetischen Truppen, ihre möglichen Entfaltungsräume, die Bezeichnung der Einheiten und Truppenteile wurden von der militärischen Aufklärung im OKW, der Abteilung Fremde Heere Ost, wie auch der Funkaufklärung (Horchdienst) sehr detailtreu, versucht zu ermitteln. Solange es auf sowjetischer Seite keine Funkverstöße gab und selbige nur über das vorhandene, sowjetische Kabelnetz kommunizierten, war das ein schwieriges Unterfangen. Dennoch waren die angeben ziemlich umfangreich und zeigten das schon damals vorhandene Potential der taktischen Truppenaufklärung. In der Ebene OKW lag man allerdings bei etlichen Weissagungen zur Truppenstärke und den Möglichkeiten, des gegenüberstehenden Gegners, also der Roten Armee, häufiger völlig daneben.

Für die Militärbezirke KIEW, WEST, BALTIKUM, die als Militärbezirke im Verteidigungsfall FRONTEN zu bilden hatten, nahm man als gegnerische Kräftegruppierungen folgenden Bestand an (Februar 1941) [7]

7 Armeen, 12 Schützenkorps, 69 Schützendivisionen, 4 Kavallerie-Korps, 17 Kavallerie-Divisionen, 21 mot. mech. Brigaden

Die zwei oberen Bilder zeigen die Dislozierung der sowjetischen Westfront, mit der 10. Armee. Die Haupthandlungsrichtungen der 4. Armee ist mit einem grünen Pfeil angedeutet, die Trennlinien zum linken und rechten, in diesem Fall dem nördlichen und südlichen Nachbarn, sind in der Lagekarte des OKW eingezeichnet.


Weitere wichtige Unterlagen für die Vorbereitung der Handlungen der 4. (dt.) Armee waren Beurteilungen des Wegenetzes, nutzbare Straßen, natürliche Hindernisse, Befestigungssysteme, Bunker, stationäre Feuerpunkte, Waldgebiete usw. usf. [8]


Erkenntnisse zum pioniertechnischen Aufbau des gegnerischen (also des sowjetischen Gebietes) sammelte man in entsprechenden Meldungen die an das OKW gingen und die als Bestandteil von sogenannten „Bildheften“ an alle handelnden Truppen herausgegeben wurden und über Bauarten, Schutzwert und Aufbau von Festungen und anderen Schutzbauwerken informierten. [9]


Nach Entfaltung der 4 (dt.) Armee in den festgelegten Unterbringungs- und Entfaltungsräumen (bis 18. Juni 1941) waren Stichworte vom AOK 4 herausgegeben worden, die 2 besondere Aktionen beinhalteten, a) Stichwort „Dortmund“, das hieß, alle Aktionen wie geplant am 22.6. 1941 beginnen, oder b) Stichwort „Altona“ für den Abbruch aller Handlungen. [10]


Bild 14 zeigt die Entfaltung aller 3 Heeresgruppen in einer schematischen Gesamtübersicht späteren Datums: [11]


Bild 15 zeigt die Entfaltungsräume der 4. (dt.) Armee im Mai 1941: [12]

Bild 16 zeigt die genauen Aufmarschräume und Handlungsrichtungen der 4. (dt.) Armee: [13]

(Quellen: [7], [8], [9], [10], [12], [13] https://wwii.germandocsinrussia.org/de/nodes/1-fond-500/ZAMO Bestand 500, [11] Lehrband der GenStabakademie über den Verlauf des 2. Weltkrieges/1987)

Leider haben die Autoren bisher keine wirklich detailreichen Karten der handelnden 10. Armee, des 13. mK oder der 25.PD, also der sowjetischen Handlungsebene gefunden. Es existieren großmaßstäbige Karten der Westfront in denen grob die Handlungs- und Kampfräume eingezeichnet sind, aber detailreiche Karten der taktischen oder operativen Ebene wurden bisher nicht gefunden. Vermutlich lag dies am Zeitrahmen des Überrennens in nur 2-3 Tagen, dass die zerschlagenen Strukturen bis in die Korps-Ebene und die Divisionen gar nicht die Zeit hatten, diese Karten nachzuzeichnen. Wozu auch, man war an allen Frontlinien auf dem Rückzug. Einzig einige befestigte Räume, wie auch der Kessel von Minsk konnten sich längere Zeit halten.
Die vorhandenen deutschen Karten stammen alle aus Beutegut der Heeresgruppe Mitte, die im Verlaufe verschiedenster Handlungen, in den Kampfräumen zurückgelassen, oder beim schnellen Vormarsch bei späteren Offensiven der sowjetischen Roten Armee erbeutet wurden. Der Großteil des Bestandes 500 im Zentralarchiv des Verteidigungsarchives der RF bei Moskau (Podolsk) besteht aus solchen Beutegutdokumenten und wird in gemeinsamer Arbeit zwischen dem Verteidigungsministerium der RF als Auftraggeber und der Außenstelle des Deutschen Historischen Institutes Moskau (Dr. Uhl) gescannt und damit der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Basis dieser Arbeiten war ein Dekret des Präsidenten der RF, W.W. Putin, das den Zugang zu diesen wertvollen Unterlagen freigab.

Trotz aller Bemühungen kann so ein Dekret natürlich nicht sicherstellen, dass nicht geführte Kriegstagebücher aus der ersten Phase des Großen Vaterländischen Krieges, nicht erstellt wurden und damit auch nicht zugänglich für die Forschung sind. Das genaue Schicksal der 25.PD und ihres Stabes bleibt weitestgehend im Dunkeln. Bekannt ist aber, dass der erste Divisionskommandeur, Oberst Nikolaij Matweewitsch Nikiforow, in den Kämpfen um Minsk, bei dem das 13. mechanisierte Korps eingeschlossen wurde, versuchte aus dem Kessel auszubrechen. Oberst Nikiforow wurde von deutschen Truppen gefangen genommen und zu Verhören hinter die Handlungslinien gebracht. Oberst Nikiforow, wurde am 24. Dezember 1898 im Dorf Pulowo (bei Pskow) geboren. Er trat 1917 noch in die zaristische Armee ein, trat dann aber 1918 in die Rote Armee über und nahm am Bürgerkrieg als Militärangehöriger der 27. Omsker Schützendivision teil und danach trat er der Waffengattung Panzertruppen bei. Ab August 1939 war er, im Dienstgrad Oberst, Kommandeur der 60. Panzerbrigade. Im Finnisch-Russischen Krieg war er Chef der leicht gepanzerten Kfz-Truppen der 14. Armee, eben jener leicht geschützten LKW, die eigentlich keinen SPW ausmachten, aber im Ursprung einer sein sollten.

Die 25.PD musste sich in den harten Kämpfen im Raum Minsk zurückziehen. Ende Juni 1941 wurden das 13. mechanisierte Korps, westlich von Minsk eingeschlossen. Beim Versuch, aus dem Kessel auszubrechen, wurde Oberst Nikiforow von den Deutschen am 06.07.1941 gefangen genommen. Er war ab Anfang Oktober 1944 in einem Nürnberger Gefängnis inhaftiert, bereits im KZ Flossenbürg wurde er am 29. September 1944 der Gestapo überstellt. Am 26. Oktober 1944 wurde Oberst Nikiforow im KZ Flossenbürg hingerichtet. [14]


Darstellung der Truppenstärke der Westfront der Roten Armee, Stand 22.06.1941 und der Bestand an gepanzerten Fahrzeuge, Stand 19. Juni 1941

(Quellen: Text: P. Rentsch, Gestaltung: heimatgalerie, Bilder: mit Fussnoten versehen)