Heimatgalerie - 17/5001 (Honecker Bunker) - Seite 2

Heimatgalerie

Dokumentationen zur Zeitgeschichte - damit die Wahrheit erhalten bleibt
Home Partei&Staat Komplex 5000 (NVR) 17/5001 (Honecker Bunker) - Seite 2

17/5001 (Honecker Bunker) - Seite 2

Die 17/5001 (offizielle Bauwerksbezeichnung seitens der Verwaltung für Spezialbauwesen der NVA (VSB) war das technisch modernste Schutzbauwerk der Warschauer Vertragsstaaten außerhalb der Sowjetunion. In enger Zusammenarbeit mit den sowjetischen Spezialisten für Schutzbauwerksprojektierung wurde der Bunker vom Projektierungsbüro Süd (PBS) projektiert und die Bauphase begleitet. Bauausführende Firmen kamen aus der DDR. Die speziellen schutztechnischen Bauteile wurden aus der UdSSR importiert und teilweise auch mit Hilfe von sowjetischen Spezialisten in Betrieb genommen. Die offiziell abgerechneten Kosten betrugen, für den Gesamtkomplex 351,3 Mio. Mark und das Hauptbauwerk (Führungsstelle) 144,4 Mio. Mark. Der Anteil für die geschützte Funksendestelle (5002) wurde mit 59,1 Mio. Mark berechnet. Für die Geheimhaltung/Legendierung gab es einen speziellen Projektteil der sowohl während der Bauphase, als auch in der Nutzungsphase streng überwacht und eingehalten wurde. Alle Dokumente im Zusammenhang mit dem Schutzbauwerk wurden mit VVS bzw. GVS deklariert. Nur wenige Involvierte wussten um den Standort und/oder der Funktion des Komplexes. Errichtet wurde die Führungsstelle (5001) in der Nähe der Ortschaft Prenden, innerhalb eines Kasernenobjektes in einer offenen Baugrube. Die Fertigstellung erfolgte nach einer Bauzeit von 1978-1983 in der Hochzeit des Kalten Krieges. Nach einem dreitägigen Probebetrieb in Form einer Übung, unter Anlehnung an die Frühjahrsübung der NATO (Wintex/Cimex 83) und den daraus abgeleiteten Kriegshandlungen sowie möglichen Waffenwirkungen gegen das Territorium der DDR. Mit der Unterzeichnung des Protokolls zur Auswertung des Probebetriebes, an dem auch sowjetische Spezialisten, beteiligt waren erfolgte die Übergabe (30.09.1983) an die Wartungseinheit und somit die Eingliederung in das Diensthabende System der DDR.

Das gesamte Gelände war in 4 Bereiche untergliedert. 1. Unterkunftszone (U-Zone), 2. Stabszone, 3. Technikzone und 4. Parkzone (P-Zone, dem eigentlichen Bunkergelände).

Im gesamten Gelände wurden zur Gewährleistung der Sicherheit mehrere Beobachtungstürme und Nahverteidigungsanlagen errichtet und die P-Zone zusätzlich mit einer Hochspannungssicherungsanlage (HSA) umschlossen. In diesem Bereich, in unmittelbarer Umgebung des Bunkers, befanden sich mehrere Erdantennenfelder. Im Abstand von ca. 50 m zu den Eckpunkten der Zerschellschicht waren Sensoren zur Feststellung einer Druckwelle und radioaktiver Strahlung installiert. Die Leitungen dieser Systeme dienten auch als Antennen zur Feststellung des Nuklear-Elektromagnetischen-Impuls (NEMP), der als erste Auswirkung einer Kernwaffendetonation, das SBW getroffen hätte. Die Auswerteeinheiten dieser Systeme (PAS/ПАЗ Пульт Автоматизированного Защита und DAU/ДАУ Дистанционная Аэрозольная Установка) hätten das Bauwerk mit den nachgeschalteten Schutzklappen im Millisekundenbereich selbständig verschlossen. Außerhalb der P-Zone befand sich der verbunkerte KCB-Beobachtungspunkt (Kern/Chemisch/Biologisch). Er diente zusätzlich zu den Sensoren zur Auswertung auf Sicht eines möglichen Einsatzes von Massenvernichtungsmitteln gegen den Komplex 5000.

Zur Sicherung einer geschützten Be- und Entlüftung konnte das SBW in verschiedenen Betriebsweisen gefahren werden. Diese Betriebsweisen (BW) gliederten sich in

BW I Normallüftung (Wartungsbetrieb)
BW II Schutzbelüftung (Filterbetrieb)
BW III Verschluss (Totale Hermetisation max. 36 Stunden)

Vom nahe gelegenen Stabsgebäude führt aus dem geschützten Keller heraus ein 200 m langer, abgewinkelter (abgewinkelt um die Kraft der auflaufenden Druckwelle zu brechen) Zugangstunnel zum eigentlichen Schutzbauwerk. Zusätzlich existiert ein weiterer direkter Zugang durch die Zerschellschicht und ein außenliegender Montageschacht, sowie 2 um 180 Grad versetzte Notausgänge. Der innere Montageschacht führt durchgängig über alle 3 Etagen des Bauwerkes. Über der oberen Etage befindet sich die 90 cm dicke Schutzkerndecke und darüber ein, ca. 2m hohes Zwischengeschoss. Den Abschluss bilden die auskragende Zerschellschicht und die etwa 1 m Erdüberschüttung. Die Abmaße des Bunkers sind: Länge: 66 m, Breite: 49 m, Tiefe: 24 m. Im Innern befinden sich 338 Räume auf einer nutzbaren Fläche von ca. 8320 m². Bauliche Besonderheiten sind weiterhin die 2,40 m dicke Bodenplatte die vom Tiefbrunnen (70 m) durchbrochen wird. Technik und Personal waren durch freischwingende Plattformen und Container (für das Personal), gegen mögliche durch seismische Wellen (Auswirkung einer KW Detonation) hervorgerufene Beschleunigungskräfte, geschützt Das Bauwerk entsprach laut DDR-Klassifizierung der Schutzklasse A. Die Bodenplatte, Wände und Decken sind aus mehrfach armiertem Beton der Klassifizierung B 300 gefertigt. Der Bunker ist zusätzlich zum Schutz vor dem Nuklear-Elektromagnetischen-Impuls (NEMP) u.a. mit Stahlblech ummantelt (Hydroisolierung).


Insgesamt hätten im Bauwerk 350-400 Personen Platz gefunden. Mit den eingelagerten Reserven (Wasser, Diesel, Verpflegung etc.), war eine Gefechtszeit von 14 Tagen gegeben (berechnet vom Zeitpunkt da keine Zuführung von Reserven mehr möglich war. Zur Aufrechterhaltung der funkelektronischen Tarnung gab es die ca. 10 km entfernte abgesetzte Sendestelle für das Objekt 17/5001, das Objekt 17/5002 (Schutzklasse C) bei Marienwerder. Für den Fall das diese nicht mehr betriebsfähig gewesen wäre, gab es bei Altenhof noch das Objekt 17/5021, auf dem die mobile Nachrichtentechnik geschützt untergebracht war, die dann im Bedarfsfall entfaltet worden wäre.

Zahlreiche MVM-Aktivitäten im Umkreis der Objekte 17/5001, 17/5021 und 17/5002 wurden seit Inbetriebnahme der Objekte durch die HA II (Spionageabwehr) unter Beobachtung gehalten. Beliebter Treffpunkt war lt. Aktenlage der Autobahnparkplatz Obersee. Allerdings war man der Meinung das der Gegner die wahre Bestimmung, zumindest in Bezug auf das Objekt 5021, nicht kannte. Dieses Objekt wurde von der HA II in die Maßnahme "Antwort" einordnet.
Um auch die Nachrichtenverbindungen vom und zum Objekt 17/5001 vor Abschöpfung durch gegnerische Kräfte zu schützen, schaltete sich zusätzlich die HA III (Funkaufklärung) mit ein. Mit der Aktion "Kabeltrasse" wurden im Juni 1984 durch Spezialisten der HA III in Abstimmung mit der HA II/AG S im Gebiet Bogensee/Kreis Bernau funkelektronische Messungen durchgeführt, um mögliche parasitäre Abstrahlungen festzustellen und funkelektronische Aufklärungshandlungen durch MVM Kräfte auszuschließen. Im Vorfeld wurde ab April 1984 durch die HA III am Objekt 17/5001 die Möglichkeit des Einsatzes von Feindtechnik mittels operativer Technik geprüft.
Im Ergebnis dessen wurde festgestellt, dass keine Funkelektronischen und parasitäre Abstrahlungen vorliegen. Jedoch kam man auch zu der Erkenntnis, dass es dem Gegner relativ einfach sei den Kabelverlauf mittels einfacher technischer Mittel zu finden und zur Informationsabschöpfung zu nutzen. Das wohl ohne direktem Zugang zum NA-Kabel. [2]

Über den Sinn solcher Anlagen lässt sich sicher streiten. Politisch und militärisch hätten solche Anlagen nur für kurze Zeit eine Strategische Rolle gespielt. Nämlich dem "Gegner" zu sagen,:"...wir bleiben auch nach einem Erstschlag (First Strike) Handlungsfähig", was half das militärische Patt zu sichern.

Damit sollte Abschließend den Erbauern und Projektanten eigentlich gedankt werden, dass Sie mit ihrer Leistung dazu beigetragen haben das militärische Gleichgewicht und somit den Weltfrieden zu erhalten.  [1]

Originalaufnahmen Mai 1992

(Quellen: [1] J. Freitag/STBWK 17/5001, Bunker5001.de, "Programm Delphin", "Filigran", [2] BStU/MfS HA II Nr.: 22559)