Heimatgalerie - Normandie/Bretagne 2013 - Keroman I-III

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Normandie/Bretagne 2013 - Keroman I-III

»Keroman I-III« (Die U-Boot Bunker der deutschen Kriegsmarine)

Die Entscheidung, nahe der Stadt Lorient einen U-Boot Bunker zu bauen, wurde von der Deutschen Kriegsmarine zügig beschlossen und im Februar 1941 realisiert. Betrachtet man die Ereignisse und die Entwicklung um die Hafenstadt Lorient während der Schlachten im Atlantik Anfang der 1940er Jahre und im weiteren Verlauf des Zweiten Weltkriegs, dann wird klar, weshalb Lorient schon sehr früh eine entscheidene strategische Rolle in den Kriegsplanungen spielte.  
Bereits im Jahre 1940 begann die Deutsche Kriegsmarine, auf Befehl des Admirals Karl Dönitz (1891-1980), in Lorient U-Boote zu basieren. Daraufhin war der Bau der Bunker nur eine logische Schlussfolgerung. Im Juni 1940 begannen rund 15.000 Arbeiter im Süden der Stadt unter der Leitung der »Organisation Todt« mit der Errichtung des größten Stützpunktes der Kriegsmarine. Errichtet wurden drei Bunker verteilt auf einer Gesamtfläche von 26 Hektar.
Der erste U-Boot Bunker, »Keroman I« wurde bereits nach 7 Monaten Bauzeit, im September 1941 in Betrieb genommen. Drei Monate später folgte die Fertigstellung von »Keroman II"«. Die Trockendockanlage arbeitete mit einer Aufschleppe. Das Docken über die Verschiebebühne und das Verbringen des U-Boots in das Trockendock dauerte nur 35 Minuten.

Ab Oktober 1941 entstand der Naßbunker »Keroman III« (LxBxH: 138x170x20 Meter), mit sieben Boxen und einer Kapazität von 13 U-Booten. Die Deckenstärke von »Keroman I« und »Keroman II« beträgt 3,50 Meter, die des Bunkers »Keroman III« gar gewaltige 7,50 Meter. Die Bunker »Keroman I« und »Keroman II« wurden schon in der 2. Jahreshälfte 1941 fertiggestellt, »Keroman III« erst im Januar 1943. Der vierte geplante U-Boot Bunker, »Keroman IV« wurde auf Grund der Kriegslage nicht mehr vollständig errichtet. Die südliche Seitenwand hat die Zeit überdauert und befindet sich an der Westseite von »Keroman I«. Die Bezeichnung »Keroman« geht auf den Namen der Halbinsel zurück, auf der sie erbaut wurden. Die Abmessungen und Nutzflächen der drei Bunker sind enorm. Die Nutzfläche beträgt in etwa 95.000 Quadratmeter. Bis zu 30 U-Boote fanden in der gesamten Anlage eine geschützte Unterbringung. Die Basis wurde im Laufe der Jahre von ca. 200 U-Booten als geschützte Unterbringung genutzt.

Im nahegelegenen Hafen, in unmittelbarer Nachbarschaft der »Keroman« U-Boot Bunker, befand sich eine Slipanlage (Aufschleppe) für zivile Schiffe. Vor der Übernahme in die militärische Nutzung wurde die Tragkraft der Anlage auf 250 Tonnen erhöht. Dies genügte nun auch für U-Boote des Typs II. Zum Zwecke der geschützten Unterbringung, wurden bis Mai 1941 zwei Dombunker (LxBxH: 81x16x25 Meter) links und rechts der Slipanlage errichtet. Die Bauart (Zeltform) der »Dombunker« sollte Fliegerbomben seitlich abgleitet lassen. Da die U-Boot Basis den Ruf der Unzerstörbarkeit genoss, verwandelten alliierte Flugzeuge nach intensiven Bombardierungen die umliegende Stadt in eine Trümmerlandschaft, um so den Betrieb der Basis zum Erliegen zu bringen. Ein Luftangriff von rund 2 Dutzend »Lancaster« Bombern mit »Tall-Boy« Bomben auf die »Keroman« Anlagen, verursachte durch einen Direkttreffer am U-Boot Bunker »Keroman III« nur eine »Beule« an dessen Deckenunterseite.  

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die U-Boot Bunker von der Französischen Marine übernommen und nach Jacques Stosskopf (1898-1944), einem französischen Marineoffizier und Festungsbauleiter der französischen Marinebasis von Lorient umbenannt. J. Stosskopf wurde 1944 im KZ Natzweiler als Widerstandskämpfer hingerichtet.
Nach langen Jahren der militärischen Nutzung wurde 1997 seitens der Stadt Lorient versucht, die Bunker wirtschaftlich und touristisch zu nutzen und sie in einen Sportboothafen mit Kulturzentrum einzubinden. Dies ist auch dringend nötig, denn es fehlt Geld, sowohl für den Erhalt, als auch für den möglichen Abriss. Das Museum im »Keroman II« hat sich glücklicherweise bereits etabliert. Hier finden täglich Führungen statt, immer um 14 Uhr auch in Englisch.
Da ich die Führung aus zeitlichen Gründen nicht nutzen konnte, besteht hier meinerseits noch Nachholebedarf.    
Mir gelang es jedoch mit viel Überredungskunst, einem ungenutzten U-Boot Bunker hinter die Tore zu blicken. Gewaltige Räume enden irgendwo im Dunkeln.

Im gegenüberliegenden KERNÉVEL wurden drei Villen zweckentfremdet und von der deutschen Kriegsmarine beschlagnahmt. Der »Befehlshaber der Deutschen U-Bootflotte« (»B. d. U.« / Admiral Karl Dönitz) hatte in einer der drei Villen sein Hauptquartier für die »Atlantikschlacht« errichten lassen.
Neben der Villa »Kerillon« mit dem Hauptquartier des »B. d. U.«, gehörte noch die Villa »Margaret« und die Villa »Kerozen« zu den genutzten Gebäuden. Alle drei Villen sind in Privatbesitz. Eine Villa dient heute als Hotel. In der ehemaligen Villa »Kerillon« wohnte oder wohnt noch heute, der kommandierende Admiral des Marinehafens von Lorient. 

Weiterführende Informationen:

http://www.la-flore.fr/?mode=la_visite
http://de.wikipedia.org/wiki/U-Boot-Bunker_in_Lorient

Quellen: eigene Notizen vor Ort und die Museumsbroschüre, Zeitschrift "Waffen-Arsenal", Ausgabe-Spezial Band 15 "Deutsche U-Bootbunker Gestern und Heute"