Das Komplexlager 12 (KL12), Objekt 16/630 war eine der flächenmäßig größten (Bruttofläche ca. 40.000m², ca. 13 km Stollen, Schutzklasse: C), unterirdischen Lagerkomplexe der NVA.

Das KL12 diente der Lagerung von Ausrüstung, Material und vor allem Munition, für verschiedenste Waffensysteme der in der Militärkoalition des Warschauer Vertrages handelnden Truppen, speziell der der strategischen Westrichtung. Die Untertageanlage war neben weiteren anderen Objekten Bestandteil der Strukturen, die in den vorgeschobenen Versorgungsbasen 2 und 12 zusammengefasst waren. Der Begriff "Komplexlager" definiert nicht den Zustand oder die Vollkommenheit bzw. gibt nicht die Wesensform Anlage aus. "Komplexlager" steht für die eingelagerten "Komplexe", auch die zu "Komplexen" gelagerten Munitionsvorräte.

Das Komplexlager 12 (KL12), Objekt 16/630 war eine der flächenmäßig größten (Bruttofläche ca. 40.000m², ca. 13 km Stollen, Schutzklasse: C), unterirdischen Lagerkomplexe der NVA.

Das KL12 diente der Lagerung von Ausrüstung, Material und vor allem Munition, für verschiedenste Waffensysteme der in der Militärkoalition des Warschauer Vertrages handelnden Truppen, speziell der der strategischen Westrichtung. Die Untertageanlage war neben weiteren anderen Objekten Bestandteil der Strukturen, die in den vorgeschobenen Versorgungsbasen 2 und 12 zusammengefasst waren. Der Begriff "Komplexlager" definiert nicht den Zustand oder die Vollkommenheit bzw. gibt nicht die Wesensform Anlage aus. "Komplexlager" steht für die eingelagerten "Komplexe", auch die zu "Komplexen" gelagerten Munitionsvorräte.

Geschichte

Mit Zuname der Bombenangriffe der Alliierten in den letzten Kriegsmonaten auf Städte und Industrieanlagen in immer kürzeren Abständen, mit immer mehr Präzision, wurde in Deutschland zum Ende des 2. Weltkrieges begonnen kriegswichtige Industrieanlagen aus den Städten in eigens dafür geschaffene unterirdische Anlagen zu verlegen. Es entstanden die U-Verlagerungen. In den Thekenbergen ließ das NS Regime die Untertage (U) - Verlagerung (Deckname: Malachit) der Junkers-Werke Dessau von Häftlingen des KZ Buchenwald unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den Berg treiben. Dabei verloren rund 7000 Häftlinge ihr Leben. Heute erinnert ein Gedenkstein und ein Museum in Langenstein-Zwieberge an dieses Verbrechen.

Nach Kriegsende wurde diese Stollenanlage von der Roten Armee beschlagnahmt. Bis 1948 demontierten die Streitkräfte der GSBSD alle Technischen Anlagen und bereitete das Stollensystem auf die Sprengung vor. Dem Widerspruch des Bürgermeisters von Halberstadt bei der sowj. Militäradministration ist es zu verdanken, dass dieses Vorhaben einer intensiven Prüfung unterzogen wurde und später nicht mehr verwirklicht wurde.

Bis 1976 blieb es still in den endlosen Stollen, bis die NVA sie übernahm und ausbauen wollte. Auf Grund finanzieller- und Planungstechnischer Mängel konnte nur der wichtigste Teil des Stollensystems ausgebaut und für die Hermetisierung und Lagerung umgestaltet werden. Bahngleise in Form einer Schleife wurden in den Hauptstollen verlegt und es entstand eine Güterempfangsbereich mit kompletter Laderampe. Ab diesem Zeitpunkt war es möglich einen Güterzug mit mehreren Waggons in den Tunnel einfahren zulassen. Zusätzlich entstanden Lagerstollen, Bereitstellungsräume, Versorgungs- und Arbeitsräume. Die vielen Altstollen ließ man sichern, absperren und ungenutzt zurück.

Im Jahre 1983 wurde das KL-12 seiner Nutzung bestimmend übergeben. Von nun an beherbergte dieses Komplexlager alles was die Vereinten Streitkräfte auf dem westlichen Kriegsschauplatz im Verteidigungsfall benötigten. Bis 1990 wurden dort oberirdisch Bekleidung und unterirdisch ca. 20.000 Tonnen Munition eingelagert. Ob die Anlage nach Entleerung im Verteidigungsfall für einen weiteren Zweck verplant war, ist abschließend nicht bekannt. Es gibt dazu unterschiedliche Meinungen bzw. Vermutungen.

Im Jahre 1991 übernahm zunächst die Bundeswehr diese Anlage und nutzte diese bis 1995 als Depot. Im Jahre 1991 beschloss die KfW und die ehem. DDR Staatsbank dieses Stollensystem als Lagerplatz für das unbrauchbar gewordene DDR Geld zu nutzen. Aus den Staatsbanktresoren im ehemaligen SED-Zentralkomitee wurden die Restbestände der DDR-Währung am 23. April 1990 in Begleitung des 9. Transportbataillon der NVA und der deutschen Volkspolizei mit acht Tatra-LKW nach Halberstadt verbracht.
In 2 Stollen der Anlage wurden 620 Millionen Stück Banknoten im Wert von 105,8 Mrd. Mark der DDR, Resiechecks, Sparbücher und Kraftstofftalons des VEB Minol eingelagert. Anschließend wurden beide Stollen von oben durch 60 Bohrungen mit Kiessand verfüllt und mit Wasser vermischt um eine flächendeckende Verteilung zu gewährleisten. Nun hoffte man, dass es dort unter den klimatischen Bedingungen verrottet. Der Gedanke war gut, aber er verfehlte sein Ziel. Denn sorgsam in Plastik und Jutesäcken verpacktes Geld verrottete nicht und Einbrechern gelang es in die Anlage einzudringen und etliche Geldscheine zu entwenden. Diesen Umstand nahm man 2002 zum Anlass, beide Stollen restlos zu entleeren und alle Werte in Containern der Restabfall-Vorbehandlungsanlage am Braunkohlewerk Buschhaus in Schöningen bei Helmstedt zuzuführen um die DDR-Restwertbestände dort zusammen mit Hausmüll zu verbrennen. Ende Juli 2002 war dann der größte Teil der etwa 3000 Tonnen "Altlasten" abtransportiert und die Anlage wurde wieder versiegelt. [1]


Seitdem gab es immer wieder Personen die dieser Anlage schwer zusetzten, indem Sie sämtliches Metall entwendeten, Einrichtungen zerstörten oder Brände legten. Dieser Minderheit ist es wahrscheinlich auch zu verdanken das der Schutz für diese Anlage nicht gewährleistet werden konnte. Ungeklärte Eigentumsverhältnisse und/oder selbst ernannte Eigentümer ohne Perspektiven taten Ihr übriges. Ernstzunehmende zwischenzeitliche Nutzungsideen privater Investoren verliefen auf Grund der Größe der Anlage und der unsicheren Eigentumsfrage negativ.

Informationsstand: 2019

In jüngster Zeit fanden hier die Dreharbeiten für den Film "The Monuments Men" statt.

(Quellen: [1] "Der Schatz von Halberstadt" (M. Zirlewagen), Programm "Delphin" (P. Bergner), Befehl "Filigran" (P. Bergner), Aussagen letzter Bauwerkskommandant, Archiv Heimatgalerie")

Ein Foto der letzten offiziellen Begehung am 28.02.2015:

Komplexlager 12

weitere Komplexlager

Weitere Komplexlager der NVA waren:

  • Komplexlager 2 bei Blankenburg (SK: C, 67 ha), bis heute von der Bundeswehr als Sanitätsdepot genutzt

  • Komplexlager 22 bei Rothenstein (SK: C, 40 ha)

  • Komplexlager 32 bei Lohmen (SK: C, 56 ha)

  • Komplexlager 22a bei Großeutersdorf/Kahla (SK: C)

(Quellen: Programm "Delphin", "Filigran", Archiv Heimatgalerie")

Das Buch zum KL 12

Im April 2020 erschien das Buch "Der Schatz von Halberstadt - Die KfW und das Ende des DDR Papiergelds" von M. Zirlewagen im Verlag Heinrich Editionen.

Auf der Homepage der KfW wird das Buch vorgestellt und steht dort als kostenlose pdf-Datei zum Download bereit.

Hier darf ich diese mit Zustimmung des Autors auch anbieten: Der Schatz von Halberstadt