Die Geschichte der Garnison ...

Der Zehdenicker Raum hatte mangels vorhandener Kasernen anfangs keine Bedeutung für die Streitkräfte der UdSSR.
Am 07. März 1949 beginnt mit der Ladung der Landesregierung Brandenburg, Wirtschaftsministerium, Hauptabteilung Land- und Forstwirtschaft,
Abteilung Landesforstamt in die Kommandantur Templin und der anschließenden Bekanntgabe des SMAD-Befehls zur Einrichtung eines Artillerie-Schießplatzes
die erstmalige militärische Nutzung der Waldflächen im ehemaligen Reichsnaturschutzgebiet "Forst Tangersdorf".

Anwesend waren am 07. März 1949 in der Kommandantur Templin:

die Herren Landräte von Templin und Prenzlau
ein Vertreter der ATG Templin
der Landesforstmeister
ein Oberforstmeister als Dolmetscher
der Oberforstmeister Altplacht
der Forstmeister Himmelpfort
der Forstmeister Zehdenick
der Forstmeister Templin
der Forstmeister Lychen

der Kreiskommandant Templin
Major O. der SMA Potsdam
zwei Generale der SMA Karlshorst

Inhalt des Befehls war die Abholzung des Baumbestandes in drei Abteilungen westlich von Tangersdorf, zum Zwecke der Einrichtung eines
Artillerie-Schießplatzes auf 1410 Hektar. Damit gebinnt die Geschichte eines der größten und bedeutestenden Standorte der GSSD, der Garnison Vogelsang.

Bis zu 800 Forstarbeiter beginnen unter widrigsten Bedingungen und mit einfachsten Arbeitsmitteln- und Geräten mühsam Holzbodenfläche kahl abzutreiben. Zunächst herrscht unter den Forstarbeitern verständlicherweise Unklarheit und Verwunderung, waren sie doch in ihrem Beruf aufgefordert Wald zu pflegen und zu schützen. Nun sollten sie genau Gegenteiliges verrichten. Viel Zeit bleibt den Arbeitern der Forstwirtschaft nicht, denn diese Fläche soll schon am 01. Juni 1949 Einsatzbereit sein. Da offensichtlich die neugeschaffene Fläche den Bedürfnissen der sowjetischen Streitkräfte nicht gerecht wird, ergeht Anfang November 1949 ein weiterer mündlicher Befehl durch die sowjetische Militärverwaltung, die Fläche um weitere 1800 Hektar zu erweitern, zu vergrößern. Als endgültiger Termin wird der 31. März 1950 genannt.

Da die Einheiten der sowjetischen Streitkräfte auf dem 1. Teil des Schießplatzes bereits während der aktiven Rodungsarbeiten unangemeldet ihren Übungsschießbetrieb aufnahmen, ergeht am 03. März 1950 vom Kreisforstamt Templin ein Schreiben an die Landesregierung Brandenburg mit dem Hinweis, dass zur Gefahrenabwehr und zum Schutz der Forst- und Waldarbeiter und vor allem aus wirtschaftlichen Gründen es nicht mehr vertretbar sei, den Rodungsbetrieb aufrechtzuerhalten. Durch die Ausfallzeiten der Forst- und Waldarbeiter die zwangsläufig aus Sicherheitsgründen entstehen summieren sich für die Landesregierung die täglichen Kosten für Verpflegung, Transfer und Unterkünfte. Das Kreisforstamt wurde durch den zuständigen Kommandeur in keinem einzigen Fall im Vorfeld über einen bevorstehenden Übungsbetrieb unterrichtet. Daher wirkte sich jede Planung trotz Rücksprachen als Fehlplanung aus. Am 04. März 1950 werden die Rodungsarbeiten auf dem Schießplatz Altplacht/Tangersdorf eingestellt. Die ca. 40.000 festmeter (fm) Nutz- und Brennholz von bereits eingeschlagenen Holz blieben auf dem Gelände liegen. Ohnehin galt es als Grundsatz, dass die Holzbestände auf den Schießplätzen der Besatzungsmacht zustanden.

Offen blieb bisher die Frage, ob die ehemaligen Forst- und Jagdreviere in dieser Gegend nach der Kennzeichnung als Sperrgebiet auch durch einen Militärforstwirtschaftsbetrieb verwaltet wurde. Die zuständigen Förster hatten keinen Zutritt zu "ihren" ehemaligen Revieren. Nach ihren Aussagen wurden diese Gebiete nicht Forstwirtschaftlich gepflegt.  

Bis zum 31. Dezember 1949 sind Einschlagkosten i. H. v. 1.260.000,- DM Aktenkundig. [1], [2]

(Quellen: [1] BLHA Pdm, Rep. 208, 3517; BLHA Rep. 208, 3513; Zeitzeugen; [2] BLHA Pdm, Rep. 258, Oberförsterei Reiersdorf)


Nachfolgend der Gastbeitrag von Herrn P. Keibel als Beteiligter Forstarbeiter am Truppenübungsplatz Tangersdorf  

Erinnerungen zur Entstehung des Truppenübungsplatzes „Tangersdorfer Heide 1949" (P. Keibel, Zehdenick 01. Oktober 2014)



    "Unter den Bedingungen des „Kalten Krieges“ wurde das Zentralforstamt in Berlin sowie das Landesforstamt in Potsdam durch die SMAD angewiesen, ab Frühjahr 1949 auf dem Gebiet des damaligen Forstamtes Alt-Placht, in den Revieren Beutel, Krams und Tangersdorf, einen Truppenübungsplatz einzurichten. Wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg war es für die Organisatoren dieser Aufgabe eine große Herausforderung, die notwendigen Kräfte dafür bereitzustellen angesichts der großen materiellen Knappheit.

    Die Vorgabe der SMAD lautete: Einschlag sämtlicher stehender Holzbestände einschließlich des Abtransportes aller eingeschlagenen Holzmengen bis 1. Mai 1950 zu realisieren. Was bis dahin nicht abtransportiert war, sollte abgebrannt werden.
    Der damalige Leiter des Forstamtes Alt-Placht war der Oberforstmeister Hr. G. . Ihm oblag die gesamte Organisation dieses Vorhabens. Zunächst wurde in der damaligen Revierförsterei Beutel die Stabsstelle Org. eingerichtet. Hier sollten alle Meldungen über Mengen des Holzeinschlages und der Holzabfuhr zusammenlaufen. Im Dorf Densow gab es eine forsteigene Immobilie, die als zentrale Rechenstelle eingerichtet wurde. Hier bearbeiteten Sekretärinnen aus den Forstämtern Alt-Placht, Himmelpfort u. Reiersdorf Verlohnungsunterlagen, Holzrechnungen und die übliche Büroarbeit.
    Aus eigener Erfahrung weiß ich noch, dass mit dem 15. März 1949 die Überstellung von Waldarbeitern und aller Arbeitsmaterialien, den Dienstpferden des Forstamtes Himmelpfort, sowie dem schon in die Jahre gekommenen Traktors der Marke Deutz begann. In einem Treck bewegten wir uns direkt von Himmelpfort nach Tangersdorf und von dort aus an die einzelnen Arbeitsorte. Die Waldarbeiter (20) saßen damals alle auf dem Anhänger vom Traktor. Als begleitender Förster fuhr ich mit dem Fahrrad.

    Im Verlauf des nun beginnenden Arbeitseinsatzes wurden in ganz Brandenburg per Befehl über die Landräte Traktoren LKW und Pferdegespanne nach Alt-Placht beordert. Diese Einheiten hatten dafür zu sorgen, dass der Transport der Waldarbeiter per LKW erfolgte, und Traktoren und Pferdegespanne waren für das Rücken des Holzes und die Abfuhr zuständig. Wir jungen Förster waren am 20. Dezember 1948 gerade mit unserer Ausbildung in Eberswalde fertig geworden. Jetzt fanden sich nun verschiedene Kommilitonen hier wieder für ihre erste Bewährungsprobe ein. Ich muss gestehen, dass unser Einsatz schon etwas ungewöhnlich war. Hatte man uns nicht auf den Wiederaufbau des Deutschen Waldes eingeschworen? Hier fand jetzt genau das Gegenteil statt. Mir waren die Waldarbeiter des Reviers Krams (zust. Revierförster König) zugeteilt. Die meisten kamen aus Annenwalde. Der Haumeister, Herr H., war ein sehr versierter und geschickter Mann.
    Es darf nicht vergessen werden, dass die Waldarbeiter damals nur mit Schrotsäge und Axt ausgerüstet waren. Sehr schnell bildete sich ein Engpass bei Feilen zum Schärfen der Sägen. Nur mit scharfem Werkzeug konnte man hohe Leistungen erbringen. Hin und wieder kam ein Abgesandter des Forstamtes und brachte eine Feile. Der LkW, der Waldarbeiter aus Fürstenberg und auch mich jeden Tag hin- und zurück transportierte, war ein Fuhrunternehmer aus Nauen, der mit seinem Dreiachser GMC für die Zeit bis Mai 1950 dienstverpflichtet war.
    Vielen Bauern, die ebenfalls verpflichtet waren, erging es ungleich schlechter, denn sie mussten mit ihren Pferden in den Stallungen der Förstereien Beutel, Krams und Tangersdorf übernachten. Viele Bauern gingen diese Verpflichtung gerne ein, weil sie nicht nur Geld für ihre Arbeit bekamen, sondern viel wertvollere Hafergutscheine für ihre Pferde. Das Kiefern Stammholz wurde entweder gleich zu den damals noch vielen kleineren Sägewerken der Umgebung gefahren oder zu den nahe gelegenen Wasserablagen an der Havel gefahren, von wo aus es per Floß nach Zehdenick, Bredereiche oder Fürstenberg befördert wurde. Diesen Wassertransport nutzte damals auch Herr G., um illegal Langholz nach Spandau (West Berlin) zu schleusen. Irgendwann flog dieser Ring von Schleusern auf und wurde der gerechten Strafe zugeführt.

    Der gesamte Einschlag des stehenden und verwertbaren Holzes ist natürlich nicht bis zum geplanten Termin 1. Mai 1950 erreicht worden. Der Rest an Grubenholz, Masten und Stammholz ist dann noch im Laufe des ersten Halbjahres 1951 abgeräumt worden. Kulturen, Dickungen und schwache Stangenhölzer blieben stehen und sind später der Bebauung und dem Übungsbetrieb zum Opfer gefallen.

    Rückblickend ist festzustellen, dass die Errichtung des Schießplatzes mit all seinen Nebenanlagen und Sperrzonen ein schwerer ökologischer Eingriff in die Natur gewesen ist. Diese drei vorgenannten Reviere waren ehemals gut ausgestattete preußische Staatswaldreviere. Vorwiegend mit Kiefern bestockt, bildeten die relativ armen Standorte typische Kiefern-Blaubeer- Waldgesellschaften. Die Altersklassenstruktur war in einem sehr guten Verhältnis. Die Altersklassen V und VI waren mit 50% und mehr vertreten.
    Die Revierförsterei Tangersdorf (zust. Revierförster: Hr. T.) die mitten in diesem Territorium lag, wurde 1951 abgerissen. Der Forstmeister Hr. B., Himmelpfort, hat mit mir persönlich die Öfen aus der Försterei entfernt, um sie in der neu aufgebauten Försterei Woblitz einzubauen. Leider sind diese ehemaligen fiskalischen Flächen, nachdem die Rote Armee abgezogen war, nicht wieder an das Land Brandenburg übergeben worden, sondern Spielwiesen der unterschiedlichsten Interessen geworden." [3]

Stand: Dezember 2019

(Quelle: [3] Zeitzeuge Revierförster a.D. P. Keibel)


In den Jahren vor der Fertigstellung der ersten Gebäude der Garnison waren große Teile der 25. PD im Raum Oranienburg (Weisse Stadt) auf dem Areal des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen untergebracht. Ab 1955 begann die gestaffelte Verlegung der TT und Verbände in das neu errichtete Objekt an der Havel nördlich von Vogelsang. Die in den Jahren zuvor errichteten Barackenlagern vor der Schleuse Kannenburg («Siedlung Hammelspring») und südlich der Havel («Havel») dienten einzelnen TT und Verbänden u. a. der 25. PD vermutlich als Unterbringung während des Übungsbetriebes auf dem Ausbildungszentrum. Ihre Ausdehnung und Struktur ist sehr deutlich auf den beiden Luftbildern (siehe Karten, Pläne, Luftbilder) von 1953 erkennbar.
Diese beiden Barackenlager, zum Großteil bestehend aus einfachsten "Bretterhütten", wurden zum Ende der 1950er Jahre geräumt und blieben leer und ungenutzt sich selbst überlassen. Unklar ist derzeit, ob Truppenteile (TT) der 25. PD diese Lager auch als Übergangsobjekt vor dem Umzug in die festen Gebäude der südlicher gelegene Kaserne nutzten, da der Standort Oranienburg schon im Begriff war, geräumt zu werden. Leider gibt es für die Zeit 1950-1961 (ab 1956 Beginn der Planungen für die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen [12]) zum Standort Sachsenhausen wenige bis gar keine Unterlagen zu Fragen der Belegung und Struktur.  

Ab 1952 beginnen die Baumaßnahmen für das zukünftige «Militärstädtchen Nr. 12» (военный городок №. 12) der Garnison Vogelsang (Гарнизона Фогельзанг), errichtet als größter Neubaustandort mit dezentralem Charakter und städtebaulicher Struktur. Die DDR war in der Pflicht, die Kosten zu tragen.
Das «Militärstädtchen Nr. 12» bestand anfangs nur aus rund 6-9 Gebäuden. Ab 1953 wurde damit begonnen, die Garnison erheblich zu erweitern und mit Infrastruktur zu erschließen. In den Jahren 1953 - 1956 wurden ca. 115 der ca. 550 Gebäude errichtet. Folgt man den Baudaten einiger Liste, den Notizen des gegnerischen Dienstes und schließlich der Übergabe der Baustelle an die sowjetische Seite, liegt die Hauptbauzeit der Garnison in den Jahren 1953 - 1957.

Am 16.12.1957 wird die Baustelle durch Beschluss des MdI, durch den VEB Bauunion Potsdam an die sowjetischen Streitkräfte übergeben. Unter welchen Gesichtspunkten diese Baumaßnahmen im Einzelnen zu werten sind, bleibt offen. Bekannt ist, dass viele Erweiterungen und Umbauten an Gebäuden sowie auch Neubauten erst im Zuge von Umstrukturierungen und Verlegungen von TT oder Kampfverbänden vorgenommen worden (Nutzerwechsel, siehe «Militärstädtchen Nr. 13»). [4]

(Quellen: [4] BArch, BVfS Potsdam, Allg. S. 113/77)


Am Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre und in den 1980er Jahren wurde der Bereich rund um die Montagebunker im «Militärstädtchen Nr. 13» (военный городок №. 13) baulich erweitert, um dem neuen Nutzer (Bewegliche Raketentechnische Basis [BRTB] / Raketenabteilung [RA] der Division und ab Mitte der 1980er Jahre Teile der Gefechtstechnik der neu formierten 464. taktischen RBr. [Waffensysteme blieben in der Div., jedoch erfolgte eine direkte Unterstellung auf Armee-Ebene ohne Befehlsebene Division]) die erforderlichen Räumlichkeiten zu gewährleisten, obwohl große Teile der Gefechts- und Lehrtechnik wahrscheinlich auch mit in den Raum Fürstenwalde verlegt wurden. Jedoch gibt es Funde und Hinweise, dass eine unbekannte Zahl Gefechts- oder Lehrtechnik am Standort geblieben sein müsste.

Zuletzt (1994) betrug die Fläche des gesamten Sperrgebietes (Polygon) um die Garnison Vogelsang und dem Ausbildungszentrum (Учебный Центр/УЦ) Templin/ТЕМПЛИНСКИЙ УЦ) herum ca. 6800 Hektar (68 km²), dies entspricht in etwa der Fläche der Berliner Bezirke Friedrichshain und Mitte.
Die baulichen Merkmale auf dem Gelände der Garnison lassen erkennen, dass hier seit Beginn der Nutzung «Selbständigkeit» und städtebaulicher Charakter im Fokus der Dislozierung lag. Ein Divisionsstandort, der stetig erweitert, aus- und umgebaut wurde, um den sich entwickelnden Bedürfnissen der Streitkräfteplanungen im Kontext der weltpolitischen Lage und den operativen Planungen beider Militärblöcke gerecht zu werden. Die Jahreszahlen an einigen Häusern zeigen die Baufertigstellung, sind aber kein Indiz für Eigenleistung.


Die Bauzeiten der Gebäude in den MS Nr. 12, 12A, 12B und 12 D. Diese sind farblich gegliedert. Enthalten sind nur Gebäude, deren Bauzeit aktenkundig und damit belastbar sind. Restliche Gebäude fehlen hier. [5]

(Quelle: [5] Übergabeprotokolle KETsch Eberswalde/BVA Potsdam 1991-1994)

 


Welche Gründe letztendlich den Ausschlag für die Wahl dieses Standortes gaben, sind uns nicht belastbar bekannt. Rückschlüsse und mögliche Begleitumstände lassen jedoch die Vermutung zu, dass folgende Merkmale die Wahl beeinflusst haben könnten:

- Dezentraler Charakter des Standortes
- Nähe zu Groß-Berlin
- Gleisanbindung nach Frankfurt/O. (Militäreisenbahnlinie)
- Einsatz- und Entfaltungsraum und Aufgabe einer Division im Handlungsrahmen der Armee oder in ihrer Funktion als Operative Manövergruppe (OMG) der Front
- nachgenutzte Wehrmachtskasernen sind belegt, zudem müssen ab 1956 viele dieser nachgenutzten Wehrmachskasernen zu Gunsten der neu geschaffenen Einheiten der NVA und Grenztruppen (GT) geräumt werden (zb. Sachsenhausen und Oranienburg, von 1946 - 1956 Standort von Teilen der 25. PD) [6], [7], [8]

(Quellen: [6] P. Rentsch; [7] https://www.cia.gov/library/readingroom/home, [8] www.stiftung-bg.de/gums/de/)